Wirtschaft : Machtkampf: Der Spielraum für die Deutsche Bahn ist eng - eine Bilanz

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Die Deutsche Bahn hat im vergangenen Jahr erstmals seit der Bahnreform 1994 Verluste eingefahren. Das Betriebsergebnis wies ein Minus von 170 Millionen Mark aus. Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Im ersten Quartal des laufenden Jahres erwirtschaftete der Konzern einen operativen Betriebsverlust von 68 Millionen Mark, nach einem Gewinn von 78 Millionen Mark noch im Jahr zuvor. Für eine offensive Strategie fehlt das Geld.

Investitionen: Der Nachholbedarf bei den Infrastrukturinvestitionen ist größer als angenommen. Schon jetzt fehlen nach Angaben der Bahn jährlich 1,5 Milliarden Mark, um die Modernisierungen zu finanzieren. Erst kürzlich musste der Vorstand knapp 300 Millionen Mark in den Bereich Netz umschichten, um nötigste Instandsetzungsarbeiten nicht zu blockieren. Einige schon im Bau befindliche Projekte wurden verschoben. Schuld daran sind auch Kostenüberschreitungen von fünf Milliarden Mark bei den Großprojekten in Berlin und der ICE-Strecke Frankfurt-Köln. Die Bundesregierung hat eine Aufstockung der öffentlichen Mittel für Infrastrukturinvestitionen bislang abgelehnt.

Unrentable Strecken: Rund 20 Prozent des 40 000 Kilometer langen Schienennetzes sind nach Einschätzung des Vorstandes derzeit nicht wirtschaftlich zu betreiben. Das Unternehmen will deshalb im Rahmen einer "Mittelstandsoffensive" weite Teile des Netzes in Kooperation mit privaten Unternehmen betreiben oder ganz an diese abtreten.

Marktanteile verloren: Vor allem im Güterverkehr verliert das Schienenunternehmen stetig Marktanteile. Inzwischen rollen nur noch acht Prozent der Gütertransporte in Deutschland über die Schiene, Anfang der 70er Jahre waren es mehr als 30 Prozent. Einen Wettbewerbsvorteil soll die vom Bund geplante Schwerverkehrsabgabe für Lkw bringen, über deren Höhe noch diskutiert wird. Sie kommt aber frühestens im Jahr 2002.

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