Wirtschaft : Machtkampf um die Formel 1: Autohersteller attackieren Leo Kirch

hps

Daimler-Chrysler, BMW, Fiat, Renault und Ford durchkreuzen die Pläne der Kirch-Gruppe, drei Viertel der Formel 1 zu kontrollieren. Wie Daimler-Chrysler-Vorstand Jürgen Hubbert erklärte, streben die Hersteller eine "gut 25 Prozentige Beteiligung" an der Formel-1-Holding SLEC an.

Hubbert äußerte sich beim Genfer Autosalon, wo Mercedes-Benz, BMW und VW steigende Absatzzahlen für die ersten Jahresmonate bekanntgaben. BMW verkaufte im Januar/Februar zehn, Mercedes acht und VW rund ein Prozent mehr Autos als im Vorjahreszeitraum. Zum Streit um die Formel 1 sagte Hubbert, "wir Hersteller sind unglücklich mit der derzeitigen Situation. Wir wollen verhindern, dass die Kirch-Gruppe 75 Prozent erwirbt, denn dies wäre mit Sicherheit das Ende der Formel 1". Wie sich ein Einstieg der Autokonzerne in die Formel 1 vollziehen könnte, bleibt allerdings offen. Denn Hubbert erklärte, "wir wollen mit Kirch nichts zu tun haben. Wir verhandeln nur mit Bernie Ecclestone." Doch dem Organisator des Rennsports gehören bald nur noch 25 Prozent. Denn am heutigen Mittwoch üben der angeschlagene Filmrechtehändler EM.TV und die Kirch-Gruppe für 987 Millionen Dollar eine Option aus, um zusätzlich zu den bisherigen 50 Prozent an der Formel 1 weitere 25 Prozent zu übernehmen. Branchenbeobachter gehen deshalb davon aus, dass es schon bald Verhandlungen zwischen der Automobilwirtschaft und Kirch bzw. EM.TV geben wird.

Hubberts Kampfansage an Kirch kommt nicht überraschend. Zuvor hatte Wolfgang Reitzle, Chef der Ford-Tochter Jaguar, unterstrichen, dass die Formel 1 nicht in die Hände eines Medienunternehmens fallen dürfe. Die Autokonzerne befürchten, dass nach der Übernahme durch Kirch die Formel 1 nur noch im Pay-TV Premiere World zu sehen sein wird. Die Kirch-Gruppe wollte gestern die Offensive der Autokonzerne nicht kommentieren. Auch bei EM.TV war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Front gegen Leo Kirch ist mächtig: Neben den Autokonzernen bekämpft auch Formel-1-Organisator Bernie Ecclestone den Partner aus München. Auch sein Freund Max Mosley, Chef des Motorsportverbandes FIA, steht Kirch skeptisch gegenüber. Sollte es zu keiner Lösung im Sinne der Autokonzerne kommen, könnte das Ende der bisherigen Formel 1 bevorstehen. Bereits am Wochenende hatte Hubbert mit der Gründung einer "alternativen Rennserie" gedroht.

Unterdessen kündigte der BMW-Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg auf dem Genfer Autosalon an, dass die neue Baureihe den Namen BMW Einser (1er) bekomme. Bislang war die Bezeichnung 2er für den kleinen BMW im Umlauf. Die Markteinführung sei für 2004 geplant. Einen Tag nach der Bilanzpressekonferenz von Daimler-Chrysler teilte Mercedes-Benz mit, in den ersten beiden Monaten seien mit 156 000 Autos rund acht Prozent mehr verkauft worden als vor Jahresfrist, für das gesamte Jahr werde ein leichter Absatzzuwachs erwartet.

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