Machtkampf : Wer soll EADS künftig führen?

Der Streit um die Führungsstruktur von EADS eskaliert. Einig sind sich alle Beteiligten nur, dass die derzeitigen Strukturen für die Airbus-Mutter wettbewerbsbehindernd sind.

EADS
Ende der Doppelspitze? EADS soll eine neue Führungstruktur bekommen. -Foto: AFP

ParisBei ihrem Treffen am kommenden Montag in Toulouse sollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy die Weichen für die Zukunft des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS stellen. Im Vorfeld laufen hinter den Kulissen intensive Verhandlungen über Änderungen an der Managementstruktur und die künftige Finanzierung der Tochter Airbus:

Doppelspitze: Seit der Fusion wesentlicher Teile der deutschen und französischen Luftfahrt-, Raumfahrt- und Rüstungsindustrie zu EADS im Jahr 2000 wird das Unternehmen von einer Doppelspitze aus beiden Ländern geleitet. Darin spiegelt sich ein gewisses Misstrauen wider, dem jeweiligen Partnerland die alleinige Führung des strategisch wichtigen Konzerns zu überlassen. Jahrelange Grabenkämpfe zwischen den Managern von diesseits und jenseits des Rheins haben das Führungsmodell jedoch in Frage gestellt.

Schon Anfang Juli berichtete die französische Zeitung "Les Echos", dass künftig nur noch ein Manager EADS leiten soll. Sie nannte damals den Franzosen Louis Gallois, der auch Airbus-Chef ist. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete nun, dass Deutschland den EADS-Ko-Vorsitzenden Thomas Enders durchgesetzt habe. Gallois würde Chef von Airbus bleiben, dem mit Abstand wichtigsten EADS-Teil. Im Verwaltungsrat soll der französische Industrielle Arnaud Lagardère der "SZ" zufolge künftig alleine die Führung innehaben. Laut französischer Presse hätte Sarkozy aber lieber den früheren EADS-Ko-Chef Philippe Camus auf dem Posten. Der bisherige Ko-Chef Rüdiger Grube, der von Daimler-Chrysler kommt, wäre in beiden Fällen aber wohl nur noch Stellvertreter.

Lagardère und Daimler-Chrysler mit Sonderrechten

Aktionärspakt: Die beiden größten EADS-Eigner aus der Industrie haben bis heute eine Sonderstellung. In einem Aktionärspakt ist festgeschrieben, dass wichtige Entscheidungen nicht ohne das Einverständnis von Daimler-Chrysler und der französischen Lagardère-Gruppe gefällt werden können. Sarkozy hatte im Präsidentschaftswahlkampf Änderungen an dem Pakt verlangt, der aus seiner Sicht mit für die Probleme bei Airbus und EADS verantwortlich ist.

Kapitalerhöhung: Airbus braucht über zehn Milliarden Euro, um das neue Langstreckenflugzeug A350 zu bauen, das als unverzichtbar im Wettbewerb mit dem Erzrivalen Boeing aus den USA gilt. Ein Teil soll durch Einsparungen und die Auslagerung von Arbeiten finanziert werden, aus französischer Sicht braucht EADS aber eine Kapitalerhöhung, um das Geld aufzubringen. Sowohl DaimlerChrysler als auch Lagardère, die ihre Anteile an EADS schon deutlich reduziert haben, zeigten sich bisher aber wenig begeistert, neues Geld zuzuschießen. Laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat nun zumindest DaimlerChrysler auf Druck aus Berlin eine "Kehrtwende" vollzogen und will sich beteiligen, wenn die Franzosen die Kapitalerhöhung wollten. (mit AFP)

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