Made in USA : Was passiert, wenn Trump die US-Wirtschaft abschottet

Statt auf Freihandel setzt Donald Trump auf Protektionismus: Firmen sollen wieder in den USA statt im Ausland fertigen. Der US-Wirtschaft würde das jedoch erheblich schaden. Eine Analyse.

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Hochmotorisiert. Trump wirft dem US-Autobauer Ford vor, Arbeitsplätze ins Ausland verlagert zu haben. Künftig sollen die Wagen in den USA gebaut werden.
Hochmotorisiert. Trump wirft dem US-Autobauer Ford vor, Arbeitsplätze ins Ausland verlagert zu haben. Künftig sollen die Wagen in...Foto: AFP

Oreo Cookies sind für Donald Trump ein Symbol des Bösen. Er will die schwarzen Kekse mit weißer Cremefüllung nicht mehr essen, nicht mehr kaufen. Der Grund: Statt in Chicago produziert der Konzern Mondelez International die Oreo Cookies inzwischen in Mexiko. Wieder einmal seien dadurch Industriejobs aus den USA ins Ausland abgewandert, sagt Trump. Eine Entwicklung, die er als US-Präsident rückgängig machen will. Ob Oreo-Kekse, Autos von Ford oder iPhones von Apple: Amerikanische Konzerne sollen ihre Produkte in den USA herstellen. „Amerikanismus statt Globalismus“, das ist Trumps Ansage. Protektionismus lautet das Zauberwort seiner Politik.

Es ist ein Begriff, den man in den vergangenen Jahren eigentlich nur noch selten gehört hat. Und wenn, dann nur in Verbindung mit Schwellenländern, die ihre junge Wirtschaft schützen wollen. Die großen Industrienationen loben dagegen die Errungenschaften der Globalisierung, des freien Handels. Doch jetzt kommt Trump und will all das zurückdrehen. „Amerikanische Autos fahren auf amerikanischen Straßen, amerikanische Flugzeuge verbinden unsere Städte, amerikanische Schiffe fahren auf dem Meer“, das ist seine Vision. Hält Trump als Präsident an seiner krassen Ablehnung von Freihandel und Globalisierung fest, wird das die Welt verändern. Ökonomen warnen vor einem neuen Handelskrieg, einer neuen Wirtschaftskrise.

Trump will Jobs zurück in die USA holen

Trump meint, mit der Abschottung die US-Wirtschaft stärken zu können. Der Republikaner will Jobs zurück ins Land holen. Amerikanischen Konzernen, die weiterhin im Ausland produzieren, droht er mit Einfuhrsteuern. Vor billigen Importen aus China und Mexiko will er die USA durch hohe Zölle schützen. Freihandelsabkommen wie das mit Kanada und Mexiko (Nafta) will er kündigen oder neu verhandeln. Auch das geplante Abkommen mit Europa (TTIP) steht auf der Kippe.

Trump reagiert damit auf die zunehmende Unzufriedenheit in der Gesellschaft. Obwohl die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt, fühlen sich viele Amerikaner abgehängt. „Seit den siebziger Jahren hat die breite Schicht der US-Bevölkerung keinen Einkommenszuwachs mehr gesehen“, sagt der Wirtschaftsweise Peter Bofinger. Trotz Jobs können sich etliche Amerikaner nicht viel leisten. Die Ungleichheit nimmt zu. Doch: Kann Trump diese Entwicklung mit mehr Protektionismus stoppen? Bofinger glaubt das nicht. „Mehr Protektionismus befördert den Wohlstand im Land nicht. Im Gegenteil.“

Die Abschottung ist teuer erkauft

So ist unwahrscheinlich, dass Trump durch eine Abschottung der US-Wirtschaft tatsächlich mehr Arbeitsplätze schafft. Schließlich liegt es längst nicht nur an der Globalisierung, dass Industriejobs in den USA verloren gegangen sind. Die stärkere Automatisierung etwa – also die Rolle, die Roboter inzwischen in der Fertigung spielen – klammert Trump komplett aus. Doch auch dadurch fallen Industriejobs weg. Selbst wenn es Trump gelingt, Fabriken zurück in die USA zu holen, werden dadurch niemals so viele Jobs entstehen, wie einst verloren gegangen sind.

Dazu kommt, dass die Abschottung teuer erkauft ist. Erheben die USA Zölle auf Produkte aus dem Ausland, werden die für Amerikaner deutlich teurer. Die Leidtragenden sind die Geringverdiener. Also diejenigen, deren Situation Trump durch seine Politik eigentlich verbessern will. Wollen sie Computer, Waschmaschinen, Autoreifen oder Kleidung aus dem Ausland kaufen, müssen sie dafür sehr viel mehr bezahlen. Alternativ können sie zwar auf Produkte zurückgreifen, die Trump künftig wieder in den USA fertigen lassen will. Weil Konzerne in den Vereinigten Staaten aber längst nicht so günstig produzieren können wie die Konkurrenz im Ausland, zahlen die Verbraucher auch bei Produkten „Made in America“ drauf. Unterm Strich haben die Haushalte also noch weniger Geld in der Tasche als vorher. Der Lebensstandard sinkt.

Die Folge wäre ein Handelskrieg

Hinzu kommt, dass eine stärkere Abschottung der USA eine weltweite Kettenreaktion auslösen könnte. „Der Protektionismus ist wie eine ansteckende Krankheit“, sagt Gustav Horn, Leiter des Instituts für Makroökonomie der Hans-Böckler-Stiftung. Schotten sich die USA ab, tun das auch die Handelspartner. „Das schwächt sowohl die US-Wirtschaft als auch die Weltwirtschaft.“

Verlangen die USA – wie von Trump angekündigt – zum Beispiel Zölle auf Produkte aus China, werden die Chinesen sich das nicht gefallen lassen. Vielmehr werden sie wiederum selbst Zölle auf Produkte erheben, die die Amerikaner nach China exportieren wollen. Im Zweifel könnten sie die Ausfuhr bestimmter Waren oder Rohstoffe in die USA sogar ganz verweigern, zum Beispiel Seltene Erden, die für die Produktion von Handys oder Batterien benötigt werden. Techkonzerne wie Apple hätten dann ein enormes Problem – erst recht, wenn Trump tatsächlich von ihnen verlangt, ihre Laptops und Smartphones statt in Asien in den USA zu produzieren.

Der weltweite Handel könnte stark sinken

Dass ein solcher Handelskrieg nicht ganz unwahrscheinlich ist, zeigt die Erfahrung der Vergangenheit. Trumps Wunsch nach mehr Protektionismus erinnert an die Politik von US-Präsident Herbert Hoover. Entgegen vielen Warnungen führte er mit dem Smoot-Hawley-Act in der Wirtschaftskrise 1930 Importzölle auf diverse Waren ein. Auch er wollte so die Wirtschaft im Land stärken. Die Strafabgaben auf ausländische Produkte unter Hoover erreichten im Schnitt 60 Prozent. Bei den Handelspartnern kam das nicht gut an. Sie fühlten sich vor den Kopf gestoßen und reagierten ihrerseits mit Zöllen auf Güter aus den USA. Die Folge war ein starker Rückgang des weltweiten Handels: Binnen vier Jahren schrumpfte er um 40 Prozent.

Auch die deutschen Unternehmen hoffen deshalb, dass sich die Geschichte unter Trump nicht wiederholt. Vor allem die hiesigen Autobauer fürchten die Abschottung der USA. Jedes achte Auto, das sie exportieren, geht in die Vereinigten Staaten. Werden nun die US-Konkurrenten wie Ford oder General Motors geschützt, bereitet das VW, BMW und Daimler Probleme. Noch überwiegt jedoch die Hoffnung, dass es gelingt, Trump umzustimmen. „Kein Präsident kann gegen die Weltwirtschaft regieren“, sagt Anton Börner, Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA). Die Deutschen seien nun gefragt, im Gespräch mit den Amerikanern, die Bedeutung des Welthandels für die US-Wirtschaft herauszustellen. Aber ob Trump darauf wohl hört? Das ist fraglich.

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