Männerdomäne : Mädchen für Technik begeistern

Zusammen mit der TU lädt Siemens junge Frauen zum Wissenschaftscamp nach Berlin ein.

C. von La Rosée[K. Kohler]
Technik
Jugend forscht. Josephin aus Kremmen ist beim Siemens-Camp dabei. -Foto: K. Kleist-Heinrich

BerlinDie Zahlen sind erschreckend. Nur zehn Prozent der Ingenieure, die in deutschen Firmen arbeiten, sind Frauen. Damit liegt Deutschland deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 22 Prozent. Und auch die Zukunft sieht nicht besser aus: Fächer wie Elektrotechnik sind noch immer weitgehend eine Domäne der Männer, sagt Johann Köppel, Vizepräsident der Technischen Universität in Berlin (TU).

Das soll sich ändern. Um junge Frauen für Technik zu begeistern, haben Siemens und die TU jetzt 40 technisch begabte Schülerinnen aus dem ganzen Bundesgebiet zum „Siemens Science Camp 2007“ nach Berlin eingeladen. Rund 140 Mädchen hatten sich für einen Platz beworben. Entscheidend für die Auswahl war ein besonderes Interesse für Mathematik und Physik. „Wir brauchen mehr junge Frauen in technischen Berufen“, fordert Maria Schumm-Tschauder vom Siemens-Bildungsprogramm „Generation 21“. Schumm-Tschauder ist bei Siemens verantwortlich für das Wissenschaftscamp.

Die viertägige Veranstaltung, die am Freitag endet, steht unter dem Motto: „Mit innovativen Energietechnologien dem Klimawandel begegnen“. Experimente zur Fotovoltaik, Laborversuche zu Biokraftstoffen und Sonnenenergie, Werksführungen und ein Schnuppertag an der TU stehen auf dem Programm. Damit wird den jungen Frauen, ein Jahr vor dem Abitur, Orientierung und Entscheidungshilfe gegeben. „Ich will hier mehr über Studieninhalte und mögliche Berufsfelder erfahren“, sagt Josephin vom Schloß, die an dem Camp teilnimmt. Sie kommt aus Kremmen in Brandenburg.

Mehr Frauen in technischen Studiengängen wünscht sich auch Johann Köppel, der im Präsidium der TU für Forschung zuständig ist. An der TU sind Frauen unterrepräsentiert. „Nur rund 36 Prozent unserer Studierenden sind weiblich“, sagt Köppel. Deshalb bietet die TU neben Technik- und Naturwissenschaftsstudiengängen nun auch interdisziplinäre Fächer an. Ab dem nächsten Wintersemester gibt es den Bachelorstudiengang „Naturwissenschaften in der Informationsgesellschaft“. Solche Angebote sprechen gezielt die vielseitigen Interessen junger Frauen an, so Köppel.

Mit dem „Siemens Science Camp“möchten Siemens und die Technische Universität dem aufkommenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Köppel sieht in der Förderung junger Frauen auch eine gesellschaftliche Aufgabe: „Deutschlands Wirtschaft braucht viele gut ausgebildete Ingenieurinnen.“

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