Wirtschaft : Märklin plant Freizeitpark für Bahnfans

Eisenbahnbauer hofft auf neue Einnahmequellen

Sönke Iwersen (HB)

Düsseldorf - Der Göppinger Modelleisenbahnhersteller Märklin prüft den Einstieg ins Unterhaltungsgeschäft. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, erwägt die schwäbische Traditionsfirma den Bau eines Spieleparks in Göppingen. Hintergrund ist der Gedanke, den Markennamen Märklin auf neue Einnahmequellen auszudehnen. Umgekehrt soll der Unterhaltungspark auch wieder bei Kindern und Jugendlichen das Interesse an der Traditionsmarke wecken.

Märklins Mitarbeiter sollen Einzelheiten eventuell auf einer Betriebsversammlung am Dienstag erfahren. Ein Unternehmenssprecher bestätigte jedoch dem Handelsblatt, dass in der Geschäftsführung ein Projekt namens „Märklin-Welt“ diskutiert wird. Auch einen möglichen Zeitpunkt für die Eröffnung des Spieleparks gibt es bereits: 2009. Dann feiert Märklin sein 150-jähriges Unternehmensjubiläum.

Ein Bauantrag ist noch nicht gestellt, die Stadt Göppingen signalisierte jedoch für den regional wichtigen Arbeitgeber bereits Unterstützung. Eine Sprecherin des Bürgermeisters sagte: „Die Stadt Göppingen würde eventuelle Pläne von Märklin sehr wohlwollend begleiten.“

Erste Reaktionen von Mitarbeitern und Branchenkreisen sind zurückhaltend. Märklin war in den vergangenen Jahren so ertragsschwach, dass das Unternehmen im Frühjahr nur knapp an einer Insolvenz vorbeigeschrammt war. Mitarbeiter hatten auf der Straße für den Einstieg des britischen Finanzinvestors Kingsbridge Capital demonstriert, der schließlich sämtliche Anteile der 22 Familiengesellschafter aufgekauft hatte. Insider fragen sich nun, ob sich der Investor mit dem neuen Projekt nicht auf den falschen Weg begibt. Schließlich gibt es im Kerngeschäft genug zu tun. Märklin hat im ersten Halbjahr 2006 zwar einen Umsatzanstieg von vier Prozent gemeldet, doch die Lage bleibt heikel. Von 2002 auf 2005 ist der Umsatz um 25 Prozent auf 123 Millionen Euro eingebrochen, eine schlechte Auftragslage und Kosten für den Abbau von mehr als 700 Stellen führten in den vergangenen beiden Jahren zu einem Verlust nach Steuern von fast 20 Millionen Euro.

In Göppingen sind rund 700 von insgesamt 1350 Mitarbeitern beschäftigt. Manche von ihnen argwöhnen nun, die dringend benötigten Investitionen könnten in das neue Spieleparkprojekt umgeleitet werden, vielleicht wolle die Geschäftsführung sogar von Einschnitten bei der Produktion ablenken. „Die Kollegen wollen Eisenbahnen bauen, keine Buletten verkaufen“, sagte ein Mitarbeiter. „Außerdem reden wir ja im Gastgewerbe auch über ganz andere Lohnverhältnisse, nämlich schlechtere.“

Das Schicksal anderer Unterhaltungsparks macht keinen Mut. Beim Ravensburger Spieleland etwa waren seit 1998 mehr als 20 Millionen Euro an Startgeldern und Zusatzinvestitionen nötig. Trotzdem bleibt das Projekt ein Zuschussgeschäft. Dasselbe gilt für das nahe gelegene Legoland in Günzburg. „Wenn der Kuchen für zwei Spieler schon zu knapp ist, reicht er für drei bestimmt nicht“, sagt ein Branchenexperte. Außerdem sei „sehr fraglich, ob so ein Spielepark wirklich positiv auf die Marke zurückstrahlt und den Verkauf fördert“.

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