Wirtschaft : Märkte feiern Gipfel-Ergebnis

Investoren kaufen Aktien, Euro und Gold – doch es gibt Zweifel an der Nachhaltigkeit der Erholung.

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Da läuft er. Der Dax legte am Freitag um mehr als vier Prozent zu und kratzte an der 6400-Punkte-Marke. Foto: Reuters
Da läuft er. Der Dax legte am Freitag um mehr als vier Prozent zu und kratzte an der 6400-Punkte-Marke. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Berlin - Die unerwartet konkreten Beschlüsse des EU-Krisengipfels in der Nacht zu Freitag, sind an den Finanzmärkten gut angekommen. Aktien, Euro und Gold verteuerten sich, die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen fielen. Unschlüssig waren sich Marktteilnehmer aber darüber, wie nachhaltig die Entspannung ist. Mit der in der kommenden Woche beginnenden Berichtssaison könnten die negativen Nachrichten wieder in der Vordergrund rücken. In den Büchern der europäischen Unternehmen dürften die Folgen der Schuldenkrise und der sich abschwächenden Konjunktur in Europa deutlich ablesbar sein.

Mit einem Sprung um 4,3 Prozent auf 6416 Punkte reagierte der Deutsche Aktienindex (Dax) am Freitag auf die Beschlüsse von Brüssel. Gefragt waren vor allem Finanzwerte. Die Regierungschefs hatten sich unter anderem auf eine gemeinsame Bankenaufsicht unter Beteiligung der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie eine direkte Rekapitalisierung notleidender Banken durch den Rettungsfonds EFSF/ESM verständigt. Auch der europäische Euro-Stoxx 50 stieg – um 4,7 Prozent auf 2259 Punkte.

Unbeeindruckt zeigten sich die Anleger von den möglichen Belastungen, die auf Deutschland zukommen könnten. Wenn alles schiefgeht, muss Deutschland für die Euro-Rettung mindestens 310 Milliarden Euro zahlen. Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des Bundesrechnungshofes und des Finanzministeriums zum deutschen Risiko bei den Euro- Rettungsschirmen hervor. Das ist mehr, als der Bund im gesamten nächsten Haushalt zur Verfügung hat.

Der Brüsseler Kompromiss stärkte gleichwohl das Vertrauen der internationalen Investoren in den Euro. Schon am frühen Morgen hatte der Euro-Kurs gegenüber dem Dollar kräftig an Wert gewonnen. Bis Freitagabend ging es weiter aufwärts; zuletzt kostete die Gemeinschaftswährung 1,2673 Dollar – ein Gewinn von mehr als zwei Cent gegenüber Donnerstag. Der stärkere Euro beflügelte zugleich den in Dollar notierten Goldpreis. Eine Feinunze kostete zuletzt 1595 Dollar, 42 Dollar mehr als am Vortag.

Am Rentenmarkt war die Erleichterung der Investoren ebenfalls deutlich zu spüren: Die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen gingen zurück. Spanische Bonds wurden mit 6,558 Prozent verzinst nach 6,915 Prozent im Vortagesgeschäft. Die Renditen ihrer italienischer Pendants fielen unter die Sechs- Prozent-Marke. Auch die Kosten der Kreditausfallversicherungen für die beiden klammen Euro-Länder verringerten sich.

„Das alles bringt etwas Ruhe“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer zu den Gipfelbeschlüssen. „Aber die Staatsschuldenkrise ist nach wie vor ungelöst.“ Die Euro-Staaten hätten sich erneut etwas Zeit gekauft. „Im schlimmsten Fall führt das aber dazu, dass sie Reformen verschleppen oder aufweichen. Langfristig gehen wir in eine Transfer- und Haftungsunion.“ Der Marktausschuss des Internationalen Bankenverbandes IIF begrüßte die Beschlüsse des EU-Gipfels als Schritt in die richtige Richtung. Wenn die spanischen Banken frisches Geld vom europäischen Rettungsfonds bekämen, ohne dass dies die Stellung der privaten Gläubiger beeinträchtige, könne das das Vertrauen der Finanzmärkte in die Eurozone stärken, erklärte der Ausschuss in München.

Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) kritisierte hingegen die geplanten Hilfen für Banken. „Es ist ordnungspolitisch sehr fragwürdig, privatwirtschaftliche Akteure des Bankensektors unter einen solchen Rettungsschirm zu stellen“, sagte Währungsexperte Henning Vöpel. „Das ist gewissermaßen ein Weg durch die Hintertür zur Vergemeinschaftung von Schulden.“

Auch am Freitag riss die Serie schlechter Nachrichten nicht ab. So haben Bankkunden in Spanien im Mai massiv Geld von ihren Konten abgehoben. Privatkunden und Unternehmen verringerten ihre Einlagen im Mai um etwa 33 Milliarden Euro auf rund 1,593 Billionen Euro. mit dpa, rtr

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