Wirtschaft : Mäßige Stimmung in der Wirtschaft

Ifo-Geschäftsklima besser – aber Lage der Firmen verschlechtert sich/Ökonomen in Sorge um den Aufschwung

-

Berlin (brö/pbs/HB). Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September erneut verbessert. Der GeschäftsklimaIndex des Münchener Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung stieg für Westdeutschland von 90,8 Punkten auf 91,9 Punkte. Dies war der fünfte Anstieg in Folge. Verantwortlich dafür war vor allem, dass die Unternehmen die Geschäftserwartung für die kommenden sechs Monate positiv einschätzten. Die aktuelle Lage verschlechterte sich indes erneut. Volkswirte reagierten deshalb skeptisch und sagten, die Erholung der Konjunktur könne „ausgesprochen dürftig“ ausfallen. Die Börse reagierte kaum auf den Stimmungsindex. Um 17 Uhr lag der deutsche Aktienindex Dax bei 3315 Punkten, das war im Vergleich zum Vortag ein Plus von 0,25 Prozent.

Das Ifo-Institut ermittelt das Geschäftsklima allmonatlich durch eine Umfrage unter 7000 Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe, dem Baugewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel. Es gilt als verlässlicher Frühindikator für die konjunkturelle Entwicklung und setzt sich zusammen aus der Einschätzung der aktuellen Lage und den Erwartungen. In den vergangenen fünf Monaten hatte nur der Optimismus für die zukünftige Entwicklung zugenommen. Volkswirte hoffen deshalb nun darauf, dass sich die Hoffnung auf einen Aufschwung bald in den volkswirtschaftlichen Realdaten niederschlägt. Bislang sind nur die Auftragseingänge für das verarbeitende Gewerbe leicht gestiegen.

Handel erholt sich weiter

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn warnte nach den Zahlen vor Euphorie. „Die in allen Sektoren zu beobachtende Verschlechterung der Lage gegenüber dem Vormonat mahnt weiterhin zur Vorsicht“, sagte er. Nach Sektoren untergliedert stieg der Geschäftsklimaindex im Einzel- und Großhandel, blieb im verarbeitenden Gewerbe unverändert und sank in der Bauwirtschaft. Der Index für Ostdeutschland ging sogar leicht zurück, auch hier war die Wirtschaft mit der Lage unzufrieden. Damit lag er aber immer noch deutlich höher als vor einem Jahr.

Wirtschaftsforscher nannten die Entwicklung des Index enttäuschend. „Eine Verschlechterung der Lage passt nicht zu der Hoffnung auf einen nahenden Aufschwung“, sagte Ulrich Kater, Leiter Volkswirtschaft bei der DGZ Deka Bank in Frankfurt (Main), dem Tagesspiegel. „Wenn sich die Lage der Unternehmen nicht bald bessert, hat uns der Ifo-Index wieder in die Irre geführt“, sagte er. Vor einem Jahr hatte sich die Stimmung der Unternehmen schon einmal leicht verbessert, ein Aufschwung war aber ausgeblieben.

Stefan Schilbe, Chefvolkswirt von HSBC Trinkaus & Burkhardt in Düsseldorf, sagte, die mäßige Stimmung sei ein schlechtes Zeichen für die deutsche Konjunktur im kommenden Jahr. „Der Ifo-Index zeigt, dass wir keine robuste Erholung der Wirtschaft erleben werden, auch nicht auf dem Arbeitsmarkt.“ Dazu seien die Rahmenbedingungen zu schlecht – der Euro-Wechselkurs werde bis Jahresende wieder deutlich zulegen, die Wirkung der vorgezogenen Steuerreform auf die Binnennachfrage bleibe begrenzt, und auch der Export werde den Aufschwung nicht beflügeln, da die Impulse aus den USA gering blieben. „Ich weiß nicht, woher das Wachstum kommen soll“, resümierte Schilbe. Das Bruttoinlandsprodukt werde daher 2004 nur um 0,9 Prozent wachsen. Nötig seien weitere Leitzinssenkungen durch die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Federal Reserve, „damit der Aufschwung nicht zu Ende ist, bevor er richtig begonnen hat“.

Genau das erwartet Martin Hüfner, Chefvolkswirt der Hypo-Vereinsbank in München. „2004 bricht der Aufschwung ab“, sagte er nach Bekanntgabe der Ifo-Indexzahlen. „Wir rechnen im Gegensatz zu den Wirtschaftsforschungsinstituten nur mit einem Strohfeuer, nicht mit einer Trendwende. Wir erwarten ein besseres zweites Halbjahr und wenn wir Glück haben auch ein besseres erstes Halbjahr 2004 – aber dann wird die Erholung abbrechen.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar