Wirtschaft : Magere Zeiten für verwöhnte Online-Broker

Henrik Mortsiefer

Die sicherste Bank für den Online-Broker Consors war bisher die Familienbande: Bankchef Karl Matthäus Schmidt konnte auf seinen Vater Karl Gerhard zählen, der mit seiner Schmidt Bank, einem der ältesten Geldinstitute Deutschlands, 64,5 Prozent an Consors hält. Die Schmidt Bank bürgt für Seriosität und Bonität - gerade in mageren Börsenzeiten, in denen die Aktienkäufer rar werden. Spekulationen über eine Veräußerung der inzwischen defizitären Consors-Beteiligungen wiesen Vater und Sohn in der Vergangenheit stets vehement zurück. Consors galt als unverkäuflich.

Doch im Schmidt-Clan rumort es. Für die Schmidt Bank, so heißt es, sind die roten Zahlen von Consors sowie Wertberichtungungen in Millionenhöhe zu einer Belastung geworden. Angeblich prüft das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen, ob die Franken ihr Eigenkapital aufstocken müssen. Bestätigen kann dies ein Aufsichtsamts-Sprecher zwar nicht, Anlass zu Spekulationen gibt die Familie Schmidt gleichwohl. "Wir denken durchaus über das Geschäftsmodell von Schmidt Bank und Consors nach", räumte Karl Matthäus Schmidt in der vergangenen Woche ein. Der Hintergrund: Soeben waren die Sondierungsgespräche mit der Commerzbank-Tochter Comdirect über eine Fusion der angeschlagenen Internet-Broker gescheitert. Vater Schmidt, der von einer "gedämpften Ertragslage" spricht, sucht offenkundig einen starken Partner für Consors. Nun wird dem Vernehmen nach mit der Deutschen Bank gesprochen. Doch die Frankfurter Banker haben selbst gerade ihren Online-Dienst Moneyshelf eingestellt.

Die Krise der Onlinebanken verschärft sich mit jedem weiteren flauen Börsentag. Die Zahl der Neukunden sinkt, das Volumen und die Häufigkeit der Transaktionen nimmt dramatisch ab, hohe Fixkosten stehen trotz höherer Gebühren rückläufigen Einnahmen gegenüber. Ablesen lässt sich all dies an den Neun-Monats-Zahlen, die die Marktführer Consors (Dienstag), Direkt Anlage Bank (Donnerstag) und Comdirect (Freitag) in dieser Woche veröffentlichen werden. Analysten rechnen mit hohen Vorsteuerverlusten. Die Frage ist nur noch, wie hoch das Minus ausfällt. Bei Consors rechnet WestLB Panmure zum Beispiel mit einem Quartalsverlust von 39,5 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Gewinn von 6,8 Millionen Euro angefallen. Täuschen lassen sollten sich Anleger deshalb nicht von den zuletzt sehr erfreulich verlaufenen Kursen der drei großen Internetbanken. Die Gefahr von erneuten Kursstürzen ist keineswegs gebannt.

Am optimistischsten sind Analysten noch für die Hypo-Vereinsbank-Tochter DAB (Wertpapierkennnummer 507230). Dennoch empfehlen nur zwei von 17 Experten die Aktie auch zum Kauf. Hornblower Fischer etwa glaubt, dass sich der Titel als "Outperformer" besser als der Markt entwickeln wird. Das Kursziel liege bei 18 Euro (aktuell: 14 Euro). In den vergangenen zwei Quartalen konnte die DAB das höchste Kundenwachstum verbuchen, zuletzt waren es fünf Prozent mehr auf insgesamt 526 000. Als Pluspunkt registrieren Analysten, dass gut 106 000 DAB-Nutzer aus dem Ausland stammen. Die DAB hat damit am erfolgreichsten ihre Internationalisierung vorangetrieben. Honoriert wird auch, dass der Online-Broker seine Gebührenerhöhung durchsetzen konnte und ein breit diversifiziertes Beratungsangebot aufgebaut hat. Die Analysten der Landesbank Baden-Württemberg haben das Papier deshalb unlängst von "reduzieren" auf "halten" heraufgestuft.

In der Gunst der Börsianer gefallen ist die Commerzbank-Tochter Comdirect (542800). Acht von 16 Analysten empfehlen, die Aktie zu verkaufen oder unterzugewichten. Wie beim Konkurrenten Consors (542700) seien, vor allem im Segment der aktiven Anleger, die Ausgaben fast doppelt so hoch wie die Erträge, befindet die Bankgesellschaft Berlin. Angesichts technisch vergleichbarer IT-PLattformen sieht Analystin Birgit Grüner ein Synergiepotenzial im so genannten Back-Office-Bereich von zehn bis 20 Prozent. Doch die Fusionsfantasie ist nach den gescheiteren Anläufen vom Markt verschwunden. Grüner rät zum verkauf des Comdirect-Papiers.

Größter Wackelkandidat bleibt Consors. Ohne eine potente Großbank im Rücken bleibt das Schicksal des "Discount-Brokers" weiter offen. Dresdner Kleinwort Wasserstein rät Anlegern, die die Aktie im Depot haben, die Kooperationsgespräche der Familie Schmidt abzuwarten und die Aktie zu "halten".

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