Magna-Verkaufspläne : Magna könnte bei Opel noch mehr Stellen streichen

Durch den Verkauf von Opel an den kanadisch-österreichischen Zulieferer Magna könnten mehr als 4000 Arbeitsplätze gefährdet sein. Die Firma wurde auch wegen ihrer bisherigen Stellenplanung gegenüber dem Finanzinvestor RHJ bevorzugt.

Ein Sprecher habe die Zahlen bestätigt, berichtet die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung am Abend. Demnach entfielen etwa zwei Drittel der Jobverluste auf die Produktion, ein Drittel auf die Verwaltung und somit auch auf die Zentrale in Rüsselsheim. Der Spiegel hatte am Morgen von einem weit höheren Stellenabbau berichtet und sich dabei auf Pläne des künftigen Opel-Mehrheitseigners Magna erufen. Seit längerem wird spekuliert, dass der Stellenabbau in den deutschen Opel-Werken deutlich größer ausfallen könnte als bisher von dem kanadisch-österreichischen Zulieferer angegeben.

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte am Nachmittag der Bild am Sonntag gesagt, bereits seit dem Frühjahr sei bekannt, dass sich die von Magna ursprünglich genannte Zahl nur auf den Produktionsbereich beziehe. Allen Beteiligten – auch den Arbeitnehmervertretern – sei klar gewesen sei, dass in der Verwaltung ein weiterer Stellenabbau zu erwarten sei.

Die Politik hatte Magna unter anderem deshalb favorisiert, weil das Unternehmen angekündigt hatte, weniger Arbeitsplätze streichen zu wollen als der konkurrierende Bieter RHJ International. Magna will rund ein Fünftel der 50.000 Arbeitsplätze von General Motors (GM) in Europa abbauen. Drei der neun GM-Fabriken in Europa werden wahrscheinlich geschlossen. Welche Standorte betroffen sind, ist allerdings unklar. Insbesondere in Großbritannien wächst der Unmut darüber, dass die Bundesregierung den deutschen Werken durch die hohen Subventionen einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschafft hat.

Scharfe Kritik an der Rolle der Bundesregierung übte auch der Treuhand-Beirat Dirk Pfeil. In einem Gespräch mit der Bild-Zeitung sagte er am Samstag, die Subventionspolitik der Bundesregierung "werden sich die anderen europäischen GM-Standortländer nicht einfach gefallen lassen". In einem Deutschlandfunk-Interview kritiserte Pfeil den Zuschlag für Magna als eine ausschließlich politische Entscheidung, die betriebswirtschaftliche Aspekte völlig vernachlässigt habe.

Auch der Spiegel schreibt, dass zu befürchten ist, dass Länder wie Großbritannien, Belgien oder Polen Beschwerde gegen die deutschen Beihilfen einlegen werden. Die Zulagen in Höhe von 4,5 Milliarden Euro überschritten zudem die zulässige Größenordnung.

Wie das Magazin weiter schreibt, habe die EU-Kommission bei der Prüfung von Unterlagen entdeckt, dass das Werk in Antwerpen, das vor der Schließung steht, wirtschaftlicher sei als das in Bochum, das nach den bisherigen Plänen erhalten bleiben soll. Eine solche betriebswirtschaftlich unlogische Entscheidung sei nach EU-Recht untersagt, wenn der Staat mit Bürgschaften hilft.

Das Europäische Parlament wird am Montag über den Opel-Verkauf debattieren. Der Fraktionschef der Liberalen im EU-Parlament, Guy Verhofstadt, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass es gegen EU-Recht verstoße, wenn ein Staat Finanzhilfen gewähre gegen die Zusage, dass Fabriken in dem Land nicht geschlossen würden. Er habe Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso aufgefordert sicherzustellen, dass durch die deutschen Hilfen GM-Werke in anderen EU-Ländern nicht benachteiligt würden, sagte der belgische Ex-Regierungschef.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wies indes Befürchtungen zurück, die EU könnte die Staatshilfen für den Autobauer nicht billigen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier lehnte im Gespräch mit der Zeitschrift Super Illu weitere staatliche Hilfe für Opel über die zugesagten 4,5 Milliarden Euro ab.

Magna hatte am Donnerstag den Zuschlag für den Kauf einer Mehrheit an Opel erhalten. Bislang hat sich das Unternehmen zu dem Spiegel-Bericht nicht geäußert.

 

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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