Wirtschaft : Mallorca für den Einkaufswagen

Aldi bietet erstmals Billigreisen an – unter dem Kundenansturm bricht die Internetseite zusammen

Maren Peters

Berlin - Es war ein Ansturm, dem selbst der Massendiscounter Aldi nicht gewachsen war. Deutschlands größter Billigheimer hatte am Freitag erstmals fünf Reisen angeboten – die günstigste für 99 Euro ins Salzburger Land, die teuerste für 999 Euro zum Vier-Sterne-Badeurlaub nach Mauritius. Doch schon am Morgen waren die Internet-Server von Aldi-Nord und Aldi-Süd völlig überlastet – und bis zum Nachmittag lahmgelegt. „Rund eine Million Menschen haben gleichzeitig versucht, die Internetseite aufzurufen“, sagte Reiner Meutsch, Geschäftsführer des Aldi-Reisepartners Berge & Meer, dem Tagesspiegel. „Die Server sind in die Knie gegangen.“ Auch in den Call-Centern hätten innerhalb von zwei Stunden rund 20 000 Menschen angerufen.

Dabei ist Aldi nicht der erste deutsche Billiganbieter, der Reisen offeriert. Kaffee-Röster Tchibo, der ebenfalls mit der Tui-Tochter Berge & Meer zusammenarbeitet, ist schon seit zehn Jahren im Geschäft. Und auch Aldi-Konkurrent Lidl bietet seit Dezember Urlaubsreisen an. Kooperationspartner ist Paneuropa, eine Reisetochter von Karstadt-Quelle.

Mengenmäßig kann Aldi mit der Konkurrenz nicht mithalten. Während Tchibo mehr als 700 verschiedene Reisen verkauft, und auch Neustarter Lidl bereits einen zehnseitigen Katalog im Angebot hat, bietet Aldi gerade mal fünf Urlaubsvarianten an. Bei denen allerdings ist der Discounter im Preis nicht zu schlagen, wie ein Blitzvergleich der Stiftung Warentest zeigt (siehe Grafik).

Am größten ist der Preisunterschied demnach beim Badeurlaub auf Mallorca. Die achttägige Reise mit Übernachtung im Drei-Sterne-Hotel inklusive Flug kostet bei Aldi 199 Euro pro Person. Der nächstgünstige Anbieter Discount-Travel verlangt für ein vergleichbares Angebot 378 Euro – und damit fast die Hälfte mehr. Allerdings zeigt der kleine Vergleich der Warentester auch, dass die Reisepreise der Discounter insgesamt nicht immer konkurrenzlos billig sind.

Auch deshalb halten Branchenbeobachter wie Wettbewerber die Auswirkungen auf den Tourismusmarkt für gering. „Ich erwarte keine Umwälzungen im Reisemarkt“, sagte Sibylle Zeuch, die Sprecherin des Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV). Die Discount-Angebote seien nur für Verbraucher interessant, denen der Preis wichtiger sei als das Ziel. Daneben wachse aber auch das Segment der hochpreisigen Reisen, bei denen die Beratung eine große Rolle spiele, betonten sie. Das könnten Aldi & Co nicht bieten.

Bei den Discountern buchen Kunden nicht in der Filiale, sondern im Internet oder per Telefon. Aldi tritt nur als Vermittler auf, für mögliche Reklamationen ist aber der Partner Berge & Meer zuständig.

Auch Michael Krane vom Fachmagazin FVW erwartet keine gravierenden Auswirkungen auf den Reisemarkt. Dazu sei das Angebot zu begrenzt, Standardziele des Winterkatalogs der Reiseanbieter wie die Kanaren, Ägypten oder Dominikanische Republik fehlten, sagt er.

Für Aldi dürfte der kleine Ausflug in den Tourismusmarkt daher vor allem eine Chance sein, das eigene Image aufzufrischen und in dem ausgereizten deutschen Discount-Markt durch Lockangebote neue Kunden zu gewinnen. Mit einem Marktanteil von 40,9 Prozent stießen Aldi und Lidl an ihre Grenzen, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung Mercer. Durch ihre nahezu flächendeckende Präsenz sei die Möglichkeit zur Gewinnung neuer Kunden auf ein Minimum geschrumpft. „Sich allein auf den Preis zu verlassen, wird in Zukunft nicht mehr reichen“, heißt es bei den Beratern.

Trotz großer Nachfrage will zumindest Aldi das Angebot nicht ausweiten. „Es bleibt bei fünf Angeboten und es bleibt bei diesen Preisen“, sagte Berge & Meer-Geschäftsführer Meutsch. Erst in vier Wochen soll es neue Urlaubsziele geben. Die alten könnten schon Anfang kommender Woche ausverkauft sein, schätzt er.

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