Wirtschaft : Mallorca schlägt Tegel - Amsterdam ist Spitzenreiter. Berlin landet nur auf Platz 9

Lars von Törne,Ulf Böhringer

Den richtigen Schalter findet man erst, nachdem man eine halbe Stunde lang hilflos durch den Flughafen geirrt ist. Beim Umsteigen muss man von einem Terminal zum nächsten zwanzig Minuten lang rennen. Und wer sich ein Sandwich und einen Kaffee zur Stärkung kaufen will, muss dafür ein Vermögen hinlegen. Flugreisende brauchen starke Nerven. Auf den großen deutschen und europäischen Flughäfen ist Benutzerfreundlichkeit oft ein Fremdwort. Das ist das Ergebnis eines Tests von 20 europäischen Flughäfen, den der ADAC am Donnerstag in München vorgestellt hat.

Absolutes Schlusslicht der untersuchten Airports ist der Flughafen Düsseldorf; am besten hat der Flughafen Amsterdam abgeschnitten. Berlin-Tegel erreichte gerade mal das Prädikat "ausreichend" - vier Plätze schlechter als Palma de Mallorca. Europas Flughäfen, so das Fazit des Verkehrsclubs, sind angesichts rapide steigender Fluggastzahlen hoffnungslos überfordert. Die Tester des Europäischen Tourismus-Institutes, die im Auftrag des ADAC im September 20 ausgesuchte Flughäfen unter die Lupe nahmen, präsentieren eine lange Liste von Mängeln. Dazu gehören zahlreiche Verspätungen ebenso wie zu lange Wartezeiten aufs Gepäck, eine unübersichtliche Beschilderung, unendlich scheinende Fußwege innerhalb des Flughafens und eine miserable Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Bemängelt wurden auch schlechte Parkleitsysteme wie etwa in Wien oder schlechte Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr wie in Hamburg und Köln. In München bemängelten die Tester die langen Wege innerhalb des Flughafens. In Wien klagten die Prüfer über unverständliche Piktogramme. In Italiens Hauptstadt musste der Tester sieben Flughafenmitarbeiter fragen, bis er nach 45 Minuten endlich den "Lost and Found"-Schalter erreichte.

Besonders beunruhigen dürfte Fluggäste das Ergebnis des Sicherheits-Tests. An 13 Flughäfen gelang es den Testern, unentdeckt ein Messer am Körper durch die Sicherheitskontrolle zu schleusen. "Die Flughafenbetreiber müssen gewaltige Anstrengungen unternehmen, um in Sachen Service und Qualität, Kundenfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft den Anforderungen der Verbraucher zu genügen", sagte der ADAC-Vizepräsident für Touristik, Max Stich.

Berlin-Tegel schnitt unter den 20 Flughäfen nur mittelmäßig ab. Stärken des Flughafens sehen die Tester darin, dass Reisende ihn gut mit dem Pkw erreichen und sich schnell innerhalb des Airports orientieren können. Negativ wirkten sich unter anderem die hohen Preise für Essen, Trinken und Parken aus. Auch beim Sicherheits-Check liegt Berlin nur im Mittelfeld - neben Rom, Athen und Thessaloniki.

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