Wirtschaft : MAN: Aktionäre kehren der AG enttäuscht den Rücken

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Die Aktionäre der Münchner MAN AG reagieren auf den seit Monaten schwächelnden Kurs der im Dax notierten Nutzfahrzeug- und Maschinenbauaktie zunehmend gereizt. Am Freitag notierte das Papier um 1,7 Prozent unter dem Vortagesschluss. Angesichts des immer weiter abbröckelnden Börsenwerts sei das Papier im führenden deutschen Aktienindex ein "Abstiegskandidat", fürchtete ein Aktionärsvertreter bei der MAN- Hauptversammlung in München. "Es fehlt an der großen Story," kritisierte eine Aktionärin das Ausbleiben spektakulärer Zu- oder Verkäufe, was oft angemahnt wird.

Mit der Aussicht, ab kommendem Jahr in Deutschland Unternehmensteile steuerfrei verkaufen zu können, verband sie die Hoffnung, dass "auch bei MAN umgebaut wird". Ein anderer Aktionär regte zudem Börsengänge von MAN-Töchtern wie der Technologiesparte an, die am Bau der Europarakete Ariane beteiligt ist. Der MAN-Kurs muss steigen, forderte ein Aktionär. Konzernchef Rudolf Rupprecht räumte eine zuletzt anhaltende Kurschwäche ein, sieht die eigene Lage im Dax aber "nicht so dramatisch". Das Management denke zudem durchaus über Veränderungen nach. Es gebe im Konzernverbund einige Kandidaten für eine Abgabe. Namen wollte Rupprecht nicht nennen. MAN werde ab 2002 "ohne Zeitdruck für Lösungen sorgen, die für alle Beteiligten Gewinn bringend sind".

Konkreter wurde der MAN-Chef hinsichtlich der geplanten Übernahme des Stuttgarter Busherstellers Neoplan, die derzeit von Brüsseler EU-Kommission geprüft wird. Er sei zuversichtlich, noch im Laufe dieses Monats dafür grünes Licht zu bekommen. Zwar sehe die EU für Deutschland die Gefahr eines Anbieter-Duopols aus MAN/Neoplan und Evobus/Daimler-Chrysler bei Stadtbussen, weil sich ausländische Anbieter wegen Verlust bringender Konditionen aus diesem Markt verabschiedet haben. Es gebe aber "bestimmte Informationen" aus Brüssel, dass die Bedenken ausgeräumt seien. Auch mit EU-Auflagen rechnet MAN nicht. Die Integration von Neoplan werde einige Zeit dauern und ein bis zwei Jahre Geld kosten, schätzte Rupprecht. Für das laufende Jahr ist er weitgehend pessimistisch.

Operativ hätten sich die Geschäfte bis Ende April verglichen mit dem ersten Quartal 2001 weiter eingetrübt. Bereinigt um Konsolidierungseffekte seien die Auftragseingänge und Umsätze in den ersten vier Monaten noch um ein Prozent gestiegen, nach einem je dreiprozentigen Plus zum Quartal. Vor allem habe das rückläufige Geschäft in den USA und der Türkei belastet. Dazu kämen hausgemachte Probleme beim Anlauf einer neuen Lkw-Generation sowie in der Hütten- und Walztechnik. Diese beiden MAN-internen Baustellen, die schlechte Branchenkonjunktur und das laufende Rückkaufprogramm für MAN-Vorzugsaktien könnten dazu führen, dass das Ergebnis dieses Jahr um mehr als zehn Prozent schrumpft, sagte Rupprecht und wiederholte damit eine jüngste Warnung.

Erst für das zweite Halbjahr 2001 sieht er wieder Verbesserungspotenziale. 2002 wolle MAN wieder an das Gewinnniveau früherer Jahre anknüpfen. Für die Auftragseingänge und den Umsatz bleibt MAN trotz der trüben Konjunktur für 2001 bei einem Ziel von jeweils gut 32 Milliarden Mark. Das würde ein Umsatzplus von einem Zehntel und einen sechs Prozent höheren Auftragseingang bedeuten.

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