Wirtschaft : MAN für Kooperationen in der Lkw-Sparte offen

Nutzfahrzeugkonzern kann sich Zusammenarbeit mit Scania vorstellen, beansprucht aber die Führung/Prognose trotz Quartalseinbruch bestätigt

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München (nad). Der Maschinenbau und Nutzfahrzeugkonzern MAN hält entgegen aller Spekulationen an seiner Lkw-Sparte fest. Konzernangaben zufolge gibt es aber Bewegung bei geplanten Verkäufen anderer Unternehmensteile. Trotz eines Gewinneinbruchs im zweiten Quartal bekräftigte der Münchener Konzern seine Prognose für das Gesamtjahr. Die MAN-Aktie stieg bis Mittwochnachmittag um 7,2 Prozent auf 19,59 Euro.

„Eine Herauslösung der Lkw-Sparte wird es in der diskutierten Form nicht geben“, stellte MAN-Chef Rudolf Rupprecht am Mittwoch in München klar. „Das käme einer Zerschlagung des Konzerns gleich, und das will niemand: weder das Management noch die Aktionäre“, sagte er.

Die Nutzfahrzeugsparte, in der das Lkw- und das Busgeschäft gebündelt sind, ist mit einem Umsatzanteil von 40 Prozent die wichtigste Ertragssäule von MAN. Rupprecht räumte ein, dass der Konzern auf Betreiben seines 27-prozentigen Anteilseigners Regina, in dem unter anderem die Allianz sitzt, sein Portfolio überdenke. MAN habe daraufhin beschlossen, mögliche Kooperationen in der Nutzfahrzeugsparte intensiv zu prüfen. Rupprecht zufolge wäre eine Kooperation mit VW und Scania im Nutzfahrzeug-Geschäft „wünschenswert“. Laut Rupprecht wäre eine solche Zusammenarbeit aber nur denkbar, wenn MAN die Führungsrolle übernehme. Scania ergänze die Produktpalette von MAN jedenfalls besser als Iveco, die Nutzfahrzeugsparte des Fiat-Konzerns, fügte der Konzernchef hinzu. Ein 45-prozentiger Scania-Anteil gehört bisher noch zu Volvo. Volvo muss ihn jedoch aus kartellrechtlichen Gründen bis April 2004 abgeben.

Rupprecht deutete an, dass es in nächster Zeit weitere Verkäufe bei MAN geben werde. Er verwies dabei auf die Mehrheitsbeteiligungen am Maschinen- und Anlagenbauer SMS und an den Schwäbischen Hüttenwerken SHW sowie auf die defizitäre Tochter MAN Technologie. Zudem stünden bei den Verkaufsgesprächen kleinere Einheiten zur Debatte. Rupprecht hatte bereits auf der Hauptversammlung Anfang Juni Veränderungen im Portfolio innerhalb der kommenden zwei Wochen in Aussicht gestellt. „Wir haben mit einem früheren Abschluss gerechnet“, räumte er am Mittwoch ein.

Im zweiten Quartal sank der Umsatz von MAN um zwei Prozent auf 3,7 Milliarden Euro; das Vorsteuerergebnis brach im Vergleich zum Vorjahr von 78 auf 55 Millionen Euro ein. Es lag dennoch leicht über den Erwartungen von Analysten. MAN machte für das schlechte Quartalsergebnis vor allem den hohen Eurokurs und die mangelnde Nachfrage bei Druckmaschinen verantwortlich. In der unter der Medienflaute leidenden Druckmaschinen-Sparte bröckelte der Gewinn vom ersten auf das zweite Quartal von plus zehn auf minus elf Millionen Euro ab.

Lichtblicke gab es dagegen in der Nutzfahrzeugsparte, die nach einem verlustreichen ersten Quartal dank Umstrukturierungen wieder in die Gewinnzone zurückkehrte und einen Vorsteuergewinn von 38 Millionen Euro auswies. „Wir haben im ersten Halbjahr bei den Nutzfahrzeugen den Turnaround geschafft und unseren Marktanteil erheblich verbessert“, sagte Rupprecht. Der sei in Europa im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent auf 15,6 Prozent gestiegen. Auch das Bus-Geschäft, lange Zeit das Sorgenkind des Konzerns, habe deutlich angezogen.

Der Konzern zeigte sich optimistisch, im Gesamtjahr das Vorsteuer-Ergebnis über das Vorjahresniveau von 219 Millionen Euro zu steigern. Beim Geschäftsvolumen erwartet MAN ein Ergebnis in der Größenordnung des Vorjahres. Grund zur Zuversicht gebe vor allem die Erholung der Nutzfahrzeugsparte, sagte Rupprecht. Zudem seien weitere Schritte zur Verbesserung der Ertragskraft geplant.

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