Wirtschaft : MAN: Maschinenbauer hört auf Signale der Kapitalmärkte

cbu/mwb

Seit Monaten ist der Kurs der MAN-Aktie auf Achterbahnfahrt. Doch Analysten erwarten, dass er sich erholen könnte, wenn der Maschinenbauer, wie von MAN-Vorstandschef Rudolf Rupprecht angekündigt, den Konzernaufbau weiter strafft. Beim Münchner Elektronikkonzern Siemens war das Konzept aufgegangen. "Es gibt durchaus Einheiten, über die wir nachdenken", sagte Rupprecht jetzt dem Handelsblatt. Es würden diejenigen Bereiche hinterfragt, die nicht das MAN-Kriterium erfüllten: weltweit unter den ersten Drei im jeweiligen Spezialmarkt zu rangieren. Dies treffe auf ein Siebtel des Umsatzes zu, sagte Rupprecht.

Der MAN-Chef betonte, der Konzern werde in jedem Fall an den vier großen Geschäftsfeldern Nutzfahrzeuge, Druckmaschinen (MAN Roland), Diesel-Motoren (MAN B & W Diesel) und Ferrostaal (Industrie-Dienstleistungen und Anlagenbau) festhalten. "Wir wollen die maschinenbauorientierte MAN bleiben, aber in den Strukturen an einigen Stellen klarer werden", betonte Rupprecht. Die internen Synergien der Geschäftsfelder seien erheblich. Den Börsengang von Tochterunternehmen schloss der MAN-Chef zwar nicht aus, es gebe aber keine konkreten Pläne.

Rupprecht erteilte damit erneut radikalen Forderungen eine Absage, den Konzern zu zerschlagen. Hintergrund ist, dass Mischkonzerne an der Börse mit einem Abschlag gehandelt wurden. Darum dringt auch der Allianz-Konzern, der mit der Münchener Rück und der Commerzbank über die Regina-Holding 36 Prozent an MAN kontrolliert, auf Veränderungen.

In zahlreichen Sparten gehört der Konzern zu den weltweit führenden Anbietern und ist etwa mit Dieselmotoren die Nummer Eins. Bei Nutzfahrzeugen liegt der Maschinenbauer, der von der Holding in München gesteuert wird, europaweit an dritter Stelle. MAN beschäftigt weltweit 74 000 Mitarbeiter. Welche Einheiten von der Veränderung betroffen sein könnten, wollte Rupprecht nicht sagen. Betroffen sind aber wohl einzelne Firmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau, der zurzeit gut ein Fünftel zum Umsatz beiträgt. MAN hat hier unter anderem SMS (Anlagenbau), MAN Technologie (Raumfahrt) und Renk (Getriebe) zusammengefasst.

Jürgen Warfsmann, Analyst der Hypo-Vereinsbank, hält den Verkauf einiger MAN Randaktivitäten für sinnvoll, bescheinigt dem Management aber generell gute Noten in der Führung. Der Konzern ist bereits seit drei Jahren im Wandel: Einerseits hat man Teile verkauft, andererseits für rund 1,4 Milliarden Mark zugekauft, so die Turbomaschinen von Sulzer, den Bus-Hersteller Neoplan und die Dieselmaschinen von Alstom. Der zusätzliche Umsatz liegt bei rund drei Milliarden Mark. Jetzt geht es laut Rupprecht darum, die Zukäufe auf Profitabilität zu trimmen. Zur aktuellen Geschäftsentwicklung sagte Rupprecht, MAN habe auf zwei Baustellen zu kämpfen. Zum einen trübe sich die Konjunktur bei Nutzfahrzeugen ein. Zum anderen verlaufe die Integration bei SMS länger und sei teurer als erwartet. Außerdem sei im letzten vollen Geschäftsjahr 1999/2000, das als Vergleichsmaßstab gilt, wegen eines Verkaufs ein hoher außerordentlicher Ertrag verbucht worden, der jetzt fehle. Erst vor zwei Wochen hatte der Konzern mitgeteilt, für 2001 werde ein Ergebnisrückgang befürchtet. Der Umsatz soll dagegen um etwa zehn Prozent auf über 16 Milliarden Euro steigen.

Die Börse hatte die Gewinnwarnung mit einem Kurssturz von etwa 10 Prozent quittiert. Inzwischen liegt die Aktie bei nur noch 28 Euro. Ihr Hoch hatte sie zuvor bei knapp 40 Euro. MAN habe sich im Vergleich zur Konkurrenz zu lange positiv zur Nutzfahrzeugkonjunktur geäußert, sagte DG-Bank-Analyst Ulrich Scholz. Rupprecht sieht eine angemessene Bewertung bei 36 bis 38 Euro. Die meisten Analysten stufen MAN auf "neutral". Rupprecht ist für das Nutzfahrzeuggeschäft der MAN trotz vorübergehend ungünstiger Kostenstrukturen dennoch optimistisch. Er rechnet zwar in Europa mit einem Marktrückgang von sechs bis acht Prozent und starkem Preisdruck, will aber seinen europaweiten Marktanteil ausbauen.

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