• „Man sollte keine Dollarzeichen in den Augen bekommen“ DWS-Geschäftsführer Kaldemorgen rät zu konservativen Aktien

Wirtschaft : „Man sollte keine Dollarzeichen in den Augen bekommen“ DWS-Geschäftsführer Kaldemorgen rät zu konservativen Aktien

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KLAUS KALDEMORGEN

ist Fondsmanager und einer der

Geschäftsführer

der Fondsgesellschaft DWS der Deutschen Bank.

Foto: promo

Herr Kaldemorgen, die Kurse an der Börse schwanken wieder sehr stark. Sollten Anleger zurzeit die Finger von Aktien lassen?

Die Frage wird immer gestellt, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist. Vor den Anschlägen von Madrid hatte an den Börsen sehr großer Optimismus geherrscht. Technologiesegmente wie der Tec-Dax liefen wieder. Alle glaubten an den Aufschwung. Es ist aber ein schlechtes Zeichen, wenn man sich an der Börse zu wohl fühlt. Dann sollte man sich fragen, ob man nicht besser einmal eine Pause einlegt ...

... und ganz auf Aktien verzichtet?

Nein, das nun auch wieder nicht. Am besten ist es, kontinuierlich aktiv zu sein. Bei Technologiewerten und anderen zyklischen Aktien wie denen von Automobilherstellern sollten sich Anleger zurzeit raushalten. Sie sollten lieber auf Aktien mit Substanz und hoher Dividendenrendite setzen.

Welche Favoriten haben Sie?

Versorger, Telekommunikationsunternehmen und Ölkonzerne. Die Ölfirmen bieten teilweise eine Dividendenrendite von 4,5 Prozent – und einen schnell fallenden Ölpreis sehe ich nicht. Außerdem dürften Einzelhändler vom schwachen Dollar profitieren, mit dem wir auch im weiteren Jahr rechnen. Insgesamt gilt: Anleger sollten das Risiko nicht überstrapazieren und jetzt wieder Dollar-Zeichen in den Augen bekommen.

Welche Renditen halten Sie für realistisch?

Das Träumen von 30 Prozent Rendite in wenigen Wochen oder Monaten hilft nicht viel. Ein Anleger sollte sich lieber fragen, welche Aktie bringt mir in den nächsten zwölf Monaten zehn Prozent? Eine solide Aktie bietet vielleicht sieben Prozent Kurszuwachs und 3,5 Prozent Dividendenrendite, auch wenn sie langweilig erscheinen.

Die stärksten Märkte waren im vergangenen Jahr China oder Indien. Was halten Sie von diesen Alternativen?

Osteuropa, Indien, China, aber auch Japan bieten gute Chancen. Hier sollte man sich aber nur über einen breit angelegten Fonds engagieren. In China, wo die Kurse stark gestiegen sind, sind kräftige Kursschwankungen nach unten nicht ausgeschlossen.

Wie sehen Ihre Prognosen aus – für den schlimmsten Fall und für den besten?

Ein Negativszenario wäre eine Serie von Anschlägen wie in Madrid. Das wäre ein nicht zu unterschätzender psychologischer Schock, der sich auch dämpfend auf das Wachstum auswirken könnte. Dann würden die Renditen für festverzinsliche Wertpapiere fallen, und die Aktien könnten leiden. Es würde schwer sein, das Jahr mit einem Plus abzuschließen. Passiert das Schlimmste nicht, dann sehen wir den Dax bei 4350 Punkten am Jahresende.

Das Gespräch führte Bernd Hops.

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