Wirtschaft : MAN verdoppelt seinen Gewinn

Aktionäre können sich auf höhere Dividende freuen – Neuausrichtung des Konzerns erfolgreich

Nicole Huss

München – Trotz der gescheiterten Übernahme des schwedischen Konkurrenten Scania blickt der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN auf das erfolgreichste Jahr seiner Firmengeschichte zurück. Unter dem Strich konnte MAN seinen Gewinn fast verdoppeln. Die Aktionäre sollen mit einer Erhöhung der Dividende von 1,35 auf 1,50 Euro und einem Sonderbonus von 50 Cent je Aktie belohnt werden. Auch für das laufende Geschäftsjahr zeigte sich MAN optimistisch.

„Es hat uns enttäuscht, dass die Übernahme von Scania nicht geklappt hat“, gab Konzernchef Hakan Samuelsson bei der Vorlage der Bilanz in München zu. „Wir müssen das akzeptieren und jetzt nach vorne schauen“, sagte er. Er selbst habe die Offerte für Scania nie als feindliches Übernahmeangebot betrachtet. Samuelsson sagte, die industrielle Logik einer Fusion sei auch von VW und Scania anerkannt worden. Das sei eine gute Basis für freundschaftliche Gespräche über einen Zusammenschluss. MAN habe damit aber keine Eile und werde nicht in die Offensive drängen.

Das 10,3 Milliarden Euro schwere Übernahmeangebot von MAN war nach einer monatelangen Hängepartie im Januar am Widerstand des Scania-Managements und der Scania-Großaktionäre Investor und Volkswagen gescheitert. Samuelsson wollte mit der Fusion den größten Lkw-Hersteller Europas schmieden. Der VW-Konzern, der seit Herbst auch Großaktionär bei MAN ist, hätte nach den Plänen sein Geschäft mit schweren Lastwagen in Brasilien in die Dreier-Allianz einbringen können. Samuelsson betonte, MAN habe derzeit keine andere Übernahme im Visier, sei aber offen für verschiedene Lösungen.

Trotz der Scania-Niederlage sitzt Samuelsson bei MAN fest im Sattel. Rückhalt gibt ihm dabei das Geschäft, das 2006 so gut wie nie zuvor gelaufen ist. MAN profitierte von der weltweit erhöhten Nachfrage nach Transportleistungen und steigendem Bedarf in Sektoren wie Antrieb und Energie. Der Auftragseingang stieg um 16 Prozent auf 16,6 Milliarden Euro, der Umsatz legte um 15 Prozent zu. Das operative Ergebnis stieg von 674 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro und überschritt erstmals die Milliardengrenze. Unter dem Strich erlöste MAN 925 Millionen Euro – fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Mit einem Umsatzplus von 31 Prozent legte der Bereich Turbomaschinen am stärksten zu. Die größte Konzernsparte Nutzfahrzeuge profitierte von einem Lastwagen-Boom und steigerte den Umsatz um 18 Prozent auf knapp 8,7 Milliarden Euro.

MAN hat seinen Höhenflug nicht nur der guten Konjunktur, sondern auch der Neuausrichtung des Konzerns zu verdanken, die der Schwede Samuelsson seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren vorangetrieben hat. Er verkaufte die angeschlagene Druckmaschinentochter MAN Roland und strukturierte das Stahlgeschäft von MAN Ferrostaal neu, das 2007 ebenfalls den Besitzer wechseln soll. Samuelsson konzentrierte das Industriekonglomerat MAN auf die Bereiche Nutzfahrzeuge, Dieselmotoren, Turbomaschinen und Industriedienstleistungen.

„Wir sind jetzt sehr gut aufgestellt“, sagte Samuelsson. Alle Bereiche erfüllten die Anforderungen. Eine Zerschlagung des Konzerns befürchtet der Konzernchef nicht. „MAN wird ein eigenständiges börsennotiertes Unternehmen bleiben“, bekräftigte er.

Für das laufende Jahr zeigte sich MAN zuversichtlich. Gewinn und Umsatz sollen steigen, der Auftragseingang in etwa stabil bleiben. Das größte Wachstum erwartet MAN bei den Nutzfahrzeugen. Dabei setzt der Konzern auf die Wachstumsregionen Osteuropa, Russland, den Mittleren Osten und Asien. Potenziale dieser Märkte sollen mithilfe des neuen Lkw-Montagewerks in Polen und eines Gemeinschaftsunternehmens in Indien erschlossen werden.

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