Management : Vielfalt braucht Zeit

Wie international sind die Vorstände der größten deutschen Unternehmen? Eine Studie zeigt: Der Ausländeranteil stagniert seit drei Jahren. Doch es gibt Hoffnung.

Petra Schäfer
Asien-Vertreter. Dahai Yu (li) teilt sich mit fünf Deutschen die Führungsetage des Essener Spezialchemiekonzerns Evonik. Der promovierte Chemiker stammt aus Schanghai.
Asien-Vertreter. Dahai Yu (li) teilt sich mit fünf Deutschen die Führungsetage des Essener Spezialchemiekonzerns Evonik. Der...picture alliance / dpa

Asien ist der Inbegriff für Wachstum. Kein deutscher Konzern, der nicht das Geschäft mit dem bevölkerungsreichsten Kontinent forciert. Doch die Bedeutung Asiens und besonders der aufstrebenden Wirtschaftsmacht China spiegelt sich noch nicht in den Vorstandsetagen der deutschen Dax-Konzerne wider: Lediglich vier von 191 Vorständen der größten deutschen Unternehmen kommen aus Indien, der neue Vorstand der Deutschen Bank Anshu Jain – ein gebürtiger Inder mit britischem Pass – eingerechnet. Andere Asiaten sucht man vergeblich.

Die neue Studie der Bonner Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners zeigt, dass die Anzahl internationaler Vorstände bereits im dritten Jahr in Folge stagniert: Knapp 28 Prozent der Dax-Vorstände sind ausländischer Herkunft. Internationale Vergleichszahlen gibt es kaum. Nur von der Schweiz ist bekannt, dass die 100 größten Unternehmen des Landes bei ihren Vorständen einen Ausländeranteil von 45 Prozent verzeichnen.

Den größten Teil der ausländischen Vorstände in DAX-Unternehmen stellen US-Amerikaner (15) – alleine vier finden sich im Vorstand von Fresenius Medical Care (FMC). Der Dax-Konzern unter der Führung des Amerikaners Ben Lipps hat den höchsten Anteil ausländischer Vorstände im ganzen Aktienindex. Das geht auf die Übernahme des weltweit größten Betreibers von Dialysekliniken, die amerikanische National Medical Care, durch den deutschen Medizintechnik-Hersteller Fresenius im Jahr 1996 zurück.

Die zweitstärkste Ausländergruppe bilden die Österreicher (acht). Mit Antonio Roberto Cortez im erweiterten Management Board bei MAN ist immerhin auch ein Brasilianer im Spitzenmanagement der deutschen Wirtschaft vertreten. Doch sieben Dax-Konzerne sind rein national zusammengesetzt. Davon haben sich Daimler, die Münchener Rück und die Commerzbank von ihren früheren internationalen Vorständen sogar wieder getrennt. Vielfalt sieht anders aus.

Dabei ist der Nutzen gemischter Führungsteams für die Wirtschaft unbestritten. Doch noch immer würden deutsche Unternehmen rund 21 Milliarden Euro jedes Jahr durch mangelhaftes Vielfaltsmanagement verlieren, errechnete die Unternehmensberatung Roland Berger. Doch damit die Integration in den Unternehmen Früchte trägt, müssen Vorbilder her, idealerweise von ganz oben. Und genau hier scheint die deutsche Wirtschaft auf der Stelle zu treten. Aus China berichtet ein deutscher Headhunter, der anonym bleiben möchte, von frustrierenden Gesprächen mit chinesischen Topkandidaten für die Automobilbranche. „Sie lassen sich ein Organigramm des Unternehmens vorlegen und fragen, warum sie kommen sollen; es gebe doch nur deutsche Chefs und keine Aufstiegsperspektiven.“

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