Wirtschaft : Manager dürfen sich selbst bedienen

Studie der Union Invest: Aktienoptionsprogramme der meistenUnternehmen haben Fehler/Lob für Lufthansa

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Frankfurt (Main) (ro). Die meisten Aktienoptionsprogramme für Manager sind fehlerhaft. Die Programme fast aller im Deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen haben „grobe handwerkliche Fehler“, orientieren sich an viel zu niedrigen Renditehürden und werden in der Gewinn- und Verlustrechnung nicht als Kosten verbucht. Zu diesem Urteil kommt die Fondsgesellschaft Union Invest in einer Studie, die sie am Montag vorstellte. „Manche Programme haben eher die Tendenz zur Selbstbedienung als das Ziel, den Marktwert des Unternehmens zu steigern“, sagt Union-Geschäftsführer Jens Wilhelm. Mit Aktienoptionsprogrammen wollen Unternehmen ihre Führungskräfte mit vom Aktienkurs abhängigen Vergütungen belohnen (siehe Lexikon Seite 16) . Nur das Programm der Lufthansa sei weitgehend fair, liege im Sinne auch der Aktionäre und laste den Managern ein angemessenes Verlust-Risiko auf. Besonders die Telekom und Daimler-Chrysler kamen mit ihren Aktienoptionsplänen schlecht weg.

Von den 30 Dax-Unternehmen praktizieren 22 solche Pläne. Generell sollten sie nach Ansicht von Wilhelm erst dann zum Tragen kommen, wenn der Aktienkurs während der Laufzeit des Programms um mindestens acht Prozent pro Jahr zulegt, wenn die Manager ein deutliches eigenes Risiko tragen, wenn als Vergleich Unternehmen nicht nur aus der Branche, sondern mit „ähnlicher Ausrichtung“ herangezogen werden, wenn die Laufzeit mindestens fünf Jahre beträgt und die Aufwendungen auch entsprechend in der Bilanz verbucht werden. „Die Hürden dürfen nicht zu niedrig sein, vor allem auch im Interesse der übrigen Aktionäre“, sagt Wilhelm. Nicht statthaft sei auch, dass der Ausübungskurs für Optionen heruntergesetzt wird, wenn der gesamte Aktienmarkt nach unten zeigt. „Die Aktionäre können den Kurs der von ihnen gehaltenen Aktien schließlich auch nicht anpassen“, sagt Union-Geschäftsführer Wilhelm. Die Telekom und zum Teil auch die Deutsche Bank hatten dies im vergangenen Jahr praktiziert.

Die Lufthansa kommt den Kriterien von Union Invest mit ihrem Programm am nächsten, sagte Wilhelm. Hier tragen die Manager 80 Prozent der Kosten der Aktienoptionen selbst. Als Vergleich für die Entwicklung der Lufthansa-Aktie dient ein Korb aus anderen Airline-Aktien. Außerdem bildet das Unternehmen in der Bilanz entsprechende Rückstellungen. Einigermaßen zufrieden sind die Union- Experten noch mit den Programmen bei BASF, RWE und Schering.

Allen anderen Unternehmen zeigt Wilhelm die rote Karte. Auffällig seien bei den meisten Unternehmen die niedrigen absoluten Renditeziele pro Jahr, bei denen eine Option ausgeübt werden und der Manager kassieren kann. Bei Daimler-Chrysler etwa sind es nur 1,84 Prozent, bei der Telekom nur 1,85 Prozent, bei Fresenius Medical Care 2,2 Prozent. Münchener Rück, Infineon, MAN, Degussa, Eon und die Deutsche Bank begnügen sich mit 2,6 Prozent. Dabei liegen die von den Managern angepeilten und öffentlich verkündeten Renditeziele für das Unternehmen meist viel höher. Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann strebt 15 Prozent an. Höchst problematisch sind auch die Vergleichsmaßstäbe, die nach Ansicht von Wilhelm oft viel zu breit angelegt sind. Etliche Unternehmen wie VW, Siemens, Thyssen Krupp, Metro, die Telekom und auch die Deutsche Bank verzichten sogar auf Vergleiche. Kritisch bewertet Union auch den Umfang einiger Programme. Bei Daimler-Chrysler etwa seien Aktienoptionen mit einem Volumen von bis zu 96 Millionen Stück genehmigt, bei der Telekom sogar bis 120 Millionen. „Diese Programme müssen gedeckelt sein. Da steht auch der Aufsichtsrat in der Pflicht“, sagte Wilhelm.

Unternehmen wenig auskunftsfreudig

Bedenklich hält man bei Union nicht nur die Ergebnisse der Untersuchung, sondern auch die Tatsache, dass die meisten Unternehmen Details über die Aktienoptionsprogramme nur sehr zögerlich genannt haben. Vor allem die Firmen, bei denen die Manager schnell profitierten, hätten sich mit Informationen zurückgehalten. Immerhin: Angesichts der Börsenflaute und der Diskussion über die Managergehälter gerate die Diskussion über die Aktienoptionen jetzt mehr und mehr in Bewegung. Jetzt komme es weiter darauf an, dass Aktionäre und die Investmentgesellschaften Druck auf die Unternehmen ausübten. Von gesetzlichen Regelungen hält man bei Union nichts.

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