Wirtschaft : Manager überschätzen sich selbst Studie: „Heuschrecken“ führen Firmen besser

Berlin - Bittet man einen typisch deutschen Manager, seine Fähigkeiten auf einer Skala von 1 bis 10 zu bewerten, antwortet er mit: „zwischen 8 und 10“ – das entspricht einer außerordentlich guten Unternehmensführung. Diese Selbsteinschätzung steht allerdings nach einer Langzeitstudie britischer Wissenschaftler „in keinem Verhältnis zum tatsächlichen Unternehmenserfolg“. Gemessen an der Kapitalrendite, dem Pro-Kopf-Umsatz oder dem Umsatzwachstum hinkten vor allem inhabergeführte Mittelständler der Konkurrenz hinterher, heißt es in einer am Mittwoch in Berlin präsentierten Untersuchung („Management Practises“) des Centre for Economic Performance an der London School of Economics.

Die Forscher haben in den vergangenen zwei Jahren mit den Managern von mehr als 4000 zumeist mittelständischen Firmen in Europa, Indien und China über Management-Fragen gesprochen. Schwacher Trost für die Deutschen: chinesische und indische Manager überschätzen ihre Fähigkeiten ebenfalls „in besonderem Maß“. Überlegen in Fragen des Managements seien – wegen „hervorragender Personalführung“ – hingegen US-Unternehmen. Deutsche seien dafür beim Management von Produktionsabläufen talentierter. Alarmierend für die Londoner Wissenschaftler: 15 Prozent der produzierenden Unternehmen in Deutschland werden schlechter geführt als eine Durchschnittsfirma in China und Indien.

Die Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass die hierzulande als „Heuschrecken“ geschmähten Private-Equity- Gesellschaften die besseren Manager sind. „Herausragende Unternehmensführung hat viel zu tun mit der Eigentümerstruktur“, heißt es. Mangelhaftes Management sei am weitesten verbreitet in Familienbetrieben, in denen die Betriebsführung vererbt werde. mot

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