Wirtschaft : Manager und Verbraucher verlieren Mut Geschäftsklima kühlt sich deutlich ab

Berlin - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich deutlich eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, sackte im April im Vergleich zum Vormonat um 2,3 auf 104,4 Zähler ab, wie das Ifo-Institut am Mittwoch mitteilte. Dies ist der zweite Rückgang in Folge.

Die Münchner Forscher sprechen von einer konjunkturellen „Verschnaufpause“, andere Experten von einem Warnsignal für die exportlastige deutsche Wirtschaft. Da mit Deutschland nun auch das Zugpferd der Euro-Zone schwächelt, spricht vieles für eine historische Zinssenkung der EZB. Die Währungshüter könnten den Leitzins schon nächste Woche auf das Rekordtief von 0,5 Prozent kappen.

Darauf setzen offensichtlich viele Investoren: Die Aktienmärkte bauten am Mittwoch ihre Kursgewinne etwas aus. Dax und EuroStoxx50 notierten jeweils ein halbes Prozent fester.

„Der unerwartet starke Rückgang des Ifo-Index ist Folge des Zypern-Effekts und zeigt die Sorge der Unternehmen vor einem erneuten Aufflammen der EuroSchuldenkrise“, sagt DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann. Die befragten deutschen Manager bewerteten sowohl die Lage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate deutlich schlechter als im Vormonat. Das Ifo-Institut rechnet jedoch damit, dass die Wirtschaft auch im zweiten Quartal wachsen wird – und zwar noch etwas schneller als von Januar bis März, als das Bruttoinlandsprodukt laut Schätzung der Münchner Forscher um 0,2 Prozent zulegte.

Eingetrübt ist derzeit auch die Stimmung bei den europäischen Verbrauchern, wenn auch nicht in allen Ländern. „Wir haben momentan eine gewisse Polarisierung innerhalb Europas. Wir haben vor allem im Zentrum – teils auch in Osteuropa – Staaten, in denen ist die Stimmung relativ gut“, sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl mit Blick auf das erste Quartal 2013. Vor allem im Mittelmeergebiet und im Westen sei die Stimmung jedoch von der Rezession beeinflusst. Während die nördlichen und östlichen Länder auf eine Erholung zusteuerten, stehe den Krisenländern ein weiteres hartes Jahr bevor: Portugiesen, Franzosen, Griechen und Italiener blicken am pessimistischsten in die Zukunft. Auch mit Blick auf das eigene Einkommen rechnen sie am wenigsten mit zusätzlichem Geld im Portemonnaie. Stattdessen erwarten sie sinkende Löhne oder steigende Steuern und Abgaben. rtr/dpa

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