Managerschelte : Gehalt des Porsche-Chefs „nicht angemessen“

Von CDU bis Linkspartei: Kaum jemand hat Verständnis für das viele Geld für Wendelin Wiedeking.

Hannes Heine
Porsche-Bilanzpressekonferenz
100-Millionen-Euro-Mann. Wendelin Wiedeking.Foto: ddp

Von links bis rechts hagelt es Kritik an den hohen Managerbezügen bei Porsche. Auch wenn das Einkommen von Vorstandsvorsitzenden Wendelin Wiedeking auf der Bilanzpressekonferenz des Autokonzerns am Mittwoch in Stuttgart nicht einzeln ausgewiesen worden ist, wird sein Jahreseinkommen auf 100 Millionen Euro geschätzt. Als „schlicht nicht angemessen“ bezeichnete der Sozialexperte der CDU im Bundestag, Willi Zylajew, diese Summe. Selbst ohne die derzeitige Wirtschaftskrise sei das Einkommen des Vorstandschefs unverhältnismäßig hoch, sagte Zylajew, der auch Vorstandsmitglied der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft ist, dem Tagesspiegel.

„Uferlos“ seien die geschätzten 100 Millionen Euro, sagte der Vize-Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, der selber Porsche-Fan ist, dem Tagesspiegel. Auch wenn Arbeiter bei Porsche besser bezahlt würden, als der Branchentarif mit der IG Metall vorschreibe, und Wiedeking außerdem „anzuerkennende Managerqualitäten“ habe, stimme das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit nicht mehr. Das gelte allerdings für viele Unternehmen.

Als Wiedeking 1992 Chef des Sportwagenherstellers wurde, stand Porsche kurz vor der Pleite. Der Manager haftete damals den Banken gegenüber mit seinem Privatvermögen für neue Kredite. Unter seiner Führung wurde Prosche in den folgenden Jahren eines der profitabelsten Unternehmen Deutschlands. Vor knapp drei Jahren begann Wiedeking schließlich mit dem Einstieg beim Wolfsburger Autobauer VW. Porsche kaufte seitdem systematisch und mit großen Gewinnen VW-Aktien. „Die bisherigen Geschäftsergebnisse bei Porsche zeigen, dass das Unternehmen gut und erfolgreich geführt wird“, sagte Rainer Brüderle, Wirtschaftsexperte der FDP-Bundestagsfraktion. Wiedeking setze sich und dem Unternehmen mutige Ziele. „Wenn die Übernahme der Volkswagen AG gelingt, hat sich Herr Wiedekind selbst ein Denkmal gesetzt.“

Über das Einkommen des Porsche-Chefs sollten Politiker nicht urteilen. „Das müssen die Eigentümer und Mitarbeiter bewerten“, sagte Brüderle. Angesichts der Wirtschaftskrise sei Vorstandschef Wiedeking einer der letzten Profiteure der Finanzmarktblase. „Im nächsten Jahr wird sicher auch Porsche die Rezession zu spüren bekommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herrn Wiedekings Einkommen diese unglaubliche Höhe halten wird“, sagte der FDP-Politiker dem Tagesspiegel.

Zuletzt waren die Managergehälter 2007 in die Kritik geraten. Daimler-Chef Dieter Zetsche und Linde-Chef Wolfgang Reitzle hatten damals jeweils mehr als acht Millionen Euro verdient, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann knapp 14 Millionen Euro. Schon 2007 war jedoch Wendelin Wiedeking mit 60 Millionen Euro Jahreseinkommen der Spitzenreiter. Damals hatten Politiker und Gewerkschafter eine Obergrenze für die Einkommen der Manager gefordert. „Wenn aus dem Gehalt eines Menschen mehr als 100 Arbeitsplätze finanziert werden könnten und gleichzeitig in demselben Unternehmen aus Kostengründen Arbeitsplätze abgebaut werden, sprengt das jede Vorstellung von Gerechtigkeit“, erklärte etwa der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche, Bischof Wolfgang Huber, seinerzeit.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben