Wirtschaft : Manchester-Kapitalismus als Vorbild. In Grossbritannien sind alle großen Clubs an der Börse notiert

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Es war eine Mainacht, die der deutsche Fussball so schnell nicht vergessen wird. Innerhalb von zwei Minuten zwei Gegentore - und statt Bayern München war Manchester United Sieger des Champions-League-Finales von Barcelona. Es war aber auch der Sieg eines Aktienunternehmens über einen Fussballverein mit angegliedertem Profibetrieb. Denn im Gegensatz zu deutschen Clubs sind die britischen Vereine längst Kapitalgesellschaften.

Wenn in England der Ball rollt, verdient die Börse mit. Fast 20 Vereine sind in Grossbritannien mittlerweile börsennotiert, darunter große Namen wie Arsenal London, Tottenham Hotspurs und Manchester United. Denn schneller als die deutschen Vereine haben die Engländer erkannt, das Fußball im Fernehzeitalter vor allem ein Geschäft ist. So setzt die Branche mit Übetragungsrechten, Ticketverkäufen und vor allem den Vertrieb von Merchandising-Artikeln rund 1,4 Milliarden Mark um - Tendenz steigend. Absoluter Krösus in diesem Geschäft ist der amtierende Champions-League-Sieger, Manchester United, der reichste Fussballverein der Welt. ManU, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, löst Emotionen in England aus, ähnlich wie Bayern München in Deutschland. Mit einem Jahresumsatz von rund 300 Millionen Mark ist Manchester die Geldmaschine auf der Insel.

Hauptstützte des Geschäftes ist das Merchandising: Rund 200 Fanshops in 24 Ländern verkaufen Manchester-Produkte - von der Kaffeetasse über den Fußabtreter bis zur Bettdecke. Für ein offizielles Trikot müssen die Fans tief in die Tasche greifen, bis zu 240 Mark verlangt Manchester für ein Vereinstrikot. Doch der Erfolg weckte Begehrlichkeiten. Denn anders als in Deutschland vermarkten in Grossbritannien die Clubs ihre Fernsehübetragungen selbst - im Fall von Manchester die zweite große Einnahmequelle. Ausgerechnet Medienzar Rupert Murdoch wollte Anfang April dieses Jahres Manchester übernehmen. 623 Millionen Pfund (1,8 Milliarden Mark) bot der Medienkönig für den Fussballverein, doch diese Offerte wurde dann selbst der Politik zuviel. Erst ein Verbot des englischen Handelsministers Stephen Byers stoppte den Kauf des größten Fussballclubs durch den größten Medienunternehmer. Ein Vorhaben das der Deutsche Fussballbund (DFB) von vorneherein ausschließen will. Die Stimmenmehrheit der deutschen Fussballvereine muss vorerst bei den Vereinen bleiben.

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