Manege frei bei der IHK : Sarrazin-Auftritt mit Gegendemo

Wirtschaftsvertreter wollten Thilo Sarrazin endlich mal live sehen und wurden nicht enttäuscht: Der Bestsellerautor referierte seine Thesen über Ausländer und wehrte "ungehörige" Fragen ab. Und vor der Tür war auch was los.

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Thilo Sarrazin (re.) mit IHK-Geschäftsführer Jan Eder.
Thilo Sarrazin (re.) mit IHK-Geschäftsführer Jan Eder.Foto: dpa

Schon drei Mal war Thilo Sarrazin beim wirtschaftspolitischen Frühstück der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) aufgetreten. Man war stets ziemlich einer Meinung, nur bei der Gewerbesteuer nicht. Doch erst das vierte Mal am Dienstag wurde zum Großereignis mit Gegendemonstration, strenger Einlasskontrolle und massivem Polizeiaufgebot.

Denn Sarrazin kommt nicht mehr als Finanzsenator, sondern als Bestsellerautor. Mit verschränkten Armen steht er hinter dem Podium und referiert 80 Minuten lang Thesen über Ausländer und den Sozialstaat. Nebenbei berichtet der Bundesbankpensionär, wie er auf den Satz kam, dass er für fünf Euro pro Stunde jederzeit arbeiten würde. In seiner Jugend habe er die 1000-Quadratmeter-Rasenfläche seines Elternhauses regelmäßig binnen einer Stunde mit dem Handmäher gestutzt und dafür den Gegenwert eines Taschenbuchs vom Vater bekommen. Die 1,70 Mark von damals habe er hochgerechnet.

Die rund 200 Wirtschaftsvertreter im Saal schmunzeln hier und da, klatschen auch mal. Aber man ist wohl nicht aus ideologischen Gründen gekommen, sondern um Sarrazin live zu sehen – so wie man auch mal in den Zirkus geht. Die Fragerunde dreht sich schnell im Kreis. „Sie haben hier unzulässigerweise unterschiedliche Aspekte meines Buchs vermischt, was eigentlich nicht geschehen dürfte, wenn Sie es sorgfältig gelesen hätten“, hält Sarrazin einem Zuhörer vor, der sich in einem Fragendickicht verliert.

Ein dunkelhaariger Mann im lila Hemd – Sarrazin-Fans würden ihn allochthon nennen – wird übergangen, doch mit der Dame im Hosenanzug, die drankommt, wird es nicht einfacher. Sie will wissen, ob es stimme, was sein Sohn einem Magazin über seine schwierigen Lebensumstände gesagt habe. Gegen die Veröffentlichung solcher Meldungen sei er mit Erfolg juristisch vorgegangen, erwidert Sarrazin. „Insofern ist Ihre Frage ungehörig.“

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