Wirtschaft : Manfred Schoeps im Interview: "Ich kenne keinen Fall von persönlicher Bereicherung"

Herr Schoeps[die Staatsanwaltschaft soll Ermittlu]

Manfred Schoeps (57) ist seit dem vergangenen Dezember Geschäftsführer der IBG (alt). 1982/83 gründete er die Immobiliengesellschaft Bavaria. 1985 übernahm die Landesbank Berlin (LBB) die Bavaria und Schoeps wurde Sprecher der Geschäftsleitung der IBG. Im Sommer 2000 legte er sein Amt nieder und zog vorübergehend in den Aufsichtsrat der IBG ein. Im März will Schoeps endgültig aus der IBG ausscheiden.



Herr Schoeps, die Staatsanwaltschaft soll Ermittlungen aufgenommen haben. Privatpersonen im Umfeld der Bankgesellschaft sollen sich bereichert haben. Die IBG war deren Fondstochter. Können Sie als ehemaliger Geschäftsführer dort persönliche Vorteilnahmen ausschließen?

Bei der IBG halte ich Bereicherungen nicht für möglich. Ich kann natürlich nicht ganz ausschließen, dass keiner der 2000 Mitarbeiter jemals eine unzulässige Provision kassiert haben könnte. Aber es ist mir nicht bekannt.

Dann gibt es noch Gerüchte, wonach Familienangehörige und Angestellte der Bank oder ihrer Töchter als so genannte Komplementäre abkassiert haben sollen...

Es war üblich, dass pensionierte Vorstandsmitglieder der Bankgesellschaft und Mitarbeiter der IBG-Gesellschaften Komplementäre der Fondsgesellschaften wurden. Dies hatte steuerliche Gründe. Für diese Aufgabe geeignet waren auch die für die Bauvorhaben zuständigen Sachbearbeiter. Die haben wir angesprochen, weil sie das Geschäft und die Risiken am besten kannten.

Für die muss das ein netter Nebenverdienst gewesen sein. Was haben sie bekommen?

Ein Entgelt, das sich nach der Höhe der Mieteinnahmen richtet. Bei einem Fonds mit Immobilien im Wert von 500 Millionen Mark sind das um die 30 000 Mark jährlich. Dafür kommen die Komplementäre aber Pflichten nach, sie nehmen etwa an Gesellschafterversammlungen teil. Zudem war beileibe nicht jeder Angesprochene dazu bereit, weil er persönlich mit seinem eigenem Vermögen haftet, auch wenn das persönliche Vermögen meistens in keinem Verhältnis zum wirtschaftlichen Risiko steht.

Es heißt weiter, die Bankgesellschaft habe auch dieses Risiko per Haftungsausschluss abgedeckt. Dann hätten die Komplementäre doch Geld ohne Leistung bekommen...

Das ist mir nicht bekannt, und ich kann mir das nicht vorstellen. Denn das würde der ganzen Konstruktion zuwiderlaufen. Aus der Sicht der Bankgesellschaft wären das Eigenkredite. Damit würde sich das Problem der Obergrenzen bei der Kreditvergabe stellen, die das Gesetz der Bank vorschreibt.

Um das fehlgeschlagene Geschäft mit Plattenbauten der CDU-Mitglieder Wienhold und Neuling aufzufangen, haben Sie Aubis Immobilien abgenommen. Mussten Sie das tun?

Nein. Ich hielt das Geschäft damals für gut. Aus heutiger Sicht hätte man besser die Finger davon gelassen. Ich stehe aber zu meiner Entscheidung. Wir haben ja auch in BerlinHellersdorf 4000 Wohnungen in Plattenbauten übernommen, und das rechnet sich. Von der Aubis übernahm die IBG rund 4500 Wohneinheiten und verteilte sie auf zwei bis drei Fonds. Mein Problem war damals weniger die Immobilien als die Initiatoren der Maßnahme. In unseren Geschäftsleitungen gab es Diskussionen wegen der fragwürdigen Immobilien-Kompetenz bei Aubis. Aber die Entscheidung fiel trotz der Personen wegen der Immobilien, weil sie die für die Bank notwendigen Sicherheiten bieten. Zudem trafen wir Vorsorge, wir konnten immer ins Geschehen eingreifen mit unseren Gesellschaften Stern und Arwobau. So ist es dann ja auch geschehen.

Prospekten entnehmen wir, Ihre Fonds enthalten Hornbach-Baumärkte. Bankgesellschafts-Chef Rupf war Vorstandschef bei Hornbach, seine Familie ist Miteigentümer. Drängte Sie Rupf zu diesem Engagement?

Nein, ich habe nicht einmal mit ihm darüber gesprochen. Mein Gesprächspartner war ein Hornbach-Vorstand, und es waren wirtschaftlich sehr gute Engagements.

Nun hat die IBAG die IBG abgelöst. Wie groß sind Chancen und Risiken?

Die IBAG hat heute hervorragende Rahmenbedingungen, bewegt sich aber in einem schwierigen Markt. Mit einer knappen Milliarde Eigenkapital ist sie gut aufgestellt. Aber so viel Geld braucht man auch, die Banken verlangen es bei Immobilien-Engagements.

Warum mussten Sie bei der IBG gehen? Sind Sie ein Pleitier?

Nein, außer meinem Arzt hat mich niemand gedrängt, ich hatte einen Herzinfarkt. Im Übrigen war die IBG sehr erfolgreich. Rechnet man alle Erlöse zusammen, dann hat die Bankgesellschaft über die Jahre hinweg rund 1,3 Milliarden Mark von der IBG direkt oder über Kreditmargen und Provisionen bekommen. Hinzu kommen die Garantierückstellungen in Höhe von rund zwei Milliarden Mark, die liquide vorhanden sind. Darüberhinaus hat die IBG als Feuerwehr bei zahlreichen Entwicklungsgebieten und Wohnungsbaugesellschaften gewirkt.

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