Manipulation beim "Gelben Engel" : ADAC-Führung will von nichts gewusst haben

Das beliebteste Auto der Deutschen ist der Golf. Um genau zu sein: das beliebteste Auto unter 3409 Deutschen. Doch so genau nahm es der ADAC-Kommunikationschef nicht - und korrigierte die Zahlen nach oben.

In der Zentrale des ADAC in München gibt man sich erschüttert.
In der Zentrale des ADAC in München gibt man sich erschüttert.Foto: AFP

Die Führungsgremien des ADAC sind nach Angaben von Geschäftsführer Karl Obermair von dem Manipulationsskandal völlig überrascht worden. Bis zum Geständnis des bisherigen Kommunikationschefs Michael Ramstetter, dass er die Abstimmung zum Lieblingsauto der Deutschen manipuliert habe, hätten Präsidium und Geschäftsführung so etwas nicht für möglich gehalten, sagte Obermair am Montag auf einer Pressekonferenz im München.

Ramstetter habe am Freitag ein „vollumfängliches Geständnis“ abgelegt. Er habe die Abstimmung „in einer unglaublich dreisten Art und Weise“ verändert. Konkret soll Ramstetter die Leserwahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" manipuliert haben. Er hatte angegeben, 34 299 Leser der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt" hätten den VW-Golf zum Lieblingsauto gekürt. In Wirklichkeit waren es nur 3409.

Ramstetter hatte zugegeben, die Stimmzahlen bei der Wahl des Automobilclubs zum Lieblingsauto geschönt zu haben. Obermair bestätigte Berichte, wonach der einstige Kommunikationschef die Teilnehmerzahlen nach oben korrigiert hatte. Inzwischen legte Ramstetter alle Ämter beim ADAC nieder - er habe „die alleinige und vollständige Verantwortung“ übernommen, sagte Obermair.

Ramstetter habe einen „unverzeihlichen Fehler“ gemacht, sagte der ADAC-Geschäftsführer. Die ganze Sache werde nun „intensivst“ untersucht. Dazu würden auch externe Berater eingeschaltet. Alles solle mit größtmöglicher Transparenz aufgeklärt werden. Nötig seien zudem „organisatorische Maßnahmen“, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

Obermair entschuldigte sich für die Manipulationen: „Dieser Vorgang tut uns leid.“ Der ADAC sei „bis ins Mark“ getroffen, da er als eine der vertrauenswürdigsten Organisationen des Landes gegolten habe. Es solle nun daran gearbeitet werden, die „angeschlagene Reputation“ des ADAC möglichst schnell wieder zu verbessern, versicherte Obermair. Zugleich bat er darum, von einer „pauschalen Verunglimpfung“ des Clubs abzusehen. (AFP)

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