Wirtschaft : Manipulationen am laufenden Band

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Pleiten gab es viele am Neuen Markt. Zur Jahrtausendwende hatte das noch anders ausgesehen – jedenfalls offiziell. Die Gesellschaften überschlugen sich mit optimistischen Umsatz und Gewinnprognosen. Stattdessen setzte das Massensterben ein, oder die Aktienkurse der Unternehmen sackten unaufhörlich in die Tiefe.

Zur Rechenschaft gezogen wurde dafür bisher so gut wie niemand. Denn selten ist die Beweislage so eindeutig wie beim Telematik-Anbieter Comroad AG. Offiziell verbuchte das Unternehmen einen Umsatz von 93,6 Millionen Euro im Jahr 2001. Eine Sonderprüfung zeigte jedoch: Tatsächlich waren es lediglich 1,3 Millionen Euro, der Rest bestand aus Luftbuchungen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende und Unternehmensgründer Bodo Schnabel beteuerte zwar seine Unschuld, wanderte jedoch umgehend in Untersuchungshaft.

Wesentlich schwieriger ist der Fall bei zwei Ex-Vorständen der Infomatec AG aus Augsburg. Nach Vorwürfen, sie hätten Kurse manipuliert und Insiderhandel getrieben, verließen die Firmengründer Gerhard Harlos und Alexander Häfele Ende 2000 das Unternehmen. Seitdem versuchen Aktionäre, von den beiden Schadensersatz zu erhalten. Doch hatten sie kein Glück damit. Das Oberlandesgericht München kassierte ein Urteil des Augsburger Landgerichts, das einem Anleger Schadensersatz zugesprochen hatte. Auch eine Sammelklage von rund 200 Anteilseignern unter Führung der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre scheiterte vor kurzem. Aus dem Schneider sind Harlos und Häfele jedoch nicht. Denn der Vorwurf der Kursmanipulation und des Insiderhandels besteht weiter. Wohl im kommenden März beginnt der Prozess.

Klagen richten sich nicht nur gegen kleine Unternehmen, sondern auch zum Beispiel gegen die Deutsche Telekom. Ein Prozess wegen angeblich fehlerhafter Angaben in Börsenprospekten wird voraussichtlich Ende des Jahres eröffnet. hop

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