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Manipulierte Abgaswerte : Neue Vorwürfe gegen Opel

Opel hat den Vorwurf, Abgaswerte mit einer speziellen Software illegal zu manipulieren, stets zurückgewiesen. Doch neue Recherchen legen den Verdacht nahe, dass der Hersteller illegal trickst.

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Richtung Gewinnzone. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat die GM-Tochter erfolgreich aus der Krise geführt.
Richtung Gewinnzone. Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hat die GM-Tochter erfolgreich aus der Krise geführt.Foto: dpa

Opel gerät erneut in den Verdacht, Abgaswerte zu manipulieren und falsche Angaben über die tatsächlichen Stickoxid-Emissionen eines Diesel-Fahrzeugs zu machen. In einem 1,6-Liter-Zafira habe man bislang unbekannte Abschalteinrichtungen bei der Abgasreinigung entdeckt, berichtete die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am Donnerstag zusammen mit dem WDR-Magazin „Monitor“ und dem „Spiegel“. Mit Unterstützung eines Softwareexperten sowie Straßenmessungen seien in den vergangenen Monaten „mehrere Abschalteinrichtungen in der Software der Motorensteuerung sowie neue extreme Grenzwertüberschreitungen bei Straßenmessungen“ gefunden worden. Die DUH will an diesem Freitag Details veröffentlichen.
Opel wies die neuen Vorwürfe mit den gleichen Worten wie in der Vergangenheit zurück: „Unsere Software war nie darauf ausgelegt, zu täuschen oder zu betrügen.“ Man setze auch keine Software ein, „die feststellt, ob ein Auto einem Abgastest unterzogen wird“. Nach VW waren auch bei anderen Herstellern auffällige Abgaswerte festgestellt worden, sie betonten aber stets, das geschehe innerhalb der geltenden Regeln. So ist es in bestimmten Temperaturbereichen (Thermofenstern) und Fahrsituationen erlaubt, die Abgasnachbehandlung auszuschalten, um – so argumentiert die Industrie – Bauteile zu schonen.

Abgasreinigung funktioniert offenbar auch im Normalbetrieb nicht


Bei Opel soll dieser zulässige Bereich aber sehr großzügig ausgelegt und überschritten worden sein. Eine Software soll den Recherchen zufolge die Reinigung der Abgase bei hohen Drehzahlen oder einem Tempo oberhalb von 145 Stundenkilometern abschalten. Auch im Thermofenster von 20 bis 30 Grad, in dem die Abgasreinigung laut Opel eigentlich „vollumfänglich“ funktionieren soll, wurde sie nach dem Bericht im Alltagsverkehr abgeschaltet. Das ist illegal. Die General-Motors-Tochter Opel hatte gegenüber den Behörden eingeräumt, dass die Abgasreinigung nur bei bestimmten Außentemperaturen im vollen Umfang arbeitet. Wie andere Hersteller auch berief sich Opel dabei auf den von der EU akzeptierten Bauteilschutz. Nach der unlängst vom Kraftfahrbundesamt (KBA) verordneten Nachbesserung bei Autos mit auffälligen Abgaswerten hatte sich Opel bereit erklärt, insgesamt 90.000 Opel Zafira Tourer, Insignia und Cascada in die Werkstatt zurückzurufen.

Wie die DUH am Donnerstag weiter mitteilte, hat der Umweltverein den Autokonzern Daimler zur Korrektur seines neuesten Nachhaltigkeitsberichts wegen ungenauer Angaben zum Kohlendioxid- Ausstoß gezwungen. Daimler habe in dem Bericht zur Mercedes A-Klasse einen CO2-Ausstoß von 89 Gramm je Kilometer angegeben. Doch gelte dies nur für eine von 17 Motorvarianten, alle anderen Versionen des Modells hätten höhere Emissionen.

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