Wirtschaft : Mannesmann-Affäre: Zwickel wehrt sich gegen Vorwurf der Untreue

21.08.2001 00:00 UhrVon brö

Im Ermittlungsverfahren gegen den Vorsitzenden der Industriegewerkschaft Metall, Klaus Zwickel, wegen des Verdachts der Untreue wird der Ton schärfer. Ein Sprecher Zwickels kritisierte, noch immer wisse die IG Metall nicht, was ihrem Vorsitzenden von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft konkret zur Last gelegt werde. Gerüchte um eine Diskussion in der IG Metall-Vorstandsetage über ein vorzeitiges Ende der Amtszeit Zwickels wies der Sprecher überdies zurück. "Klaus Zwickel wird seine Amt wie vorgesehen bis 2003 ausüben, denn er hat sich nichts vorzuwerfen", sagte der Sprecher dem Tagesspiegel. Aus seinen Handlungen lasse sich der Vorwurf der Untreue nicht ableiten.

Sein Vorgehen im Mannesmann-Aufsichtsrat sei stets mit der IG Metall-Spitze abgestimmt gewesen. Zwickels Anwalt werde in Kürze Akteneinsicht nehmen, damit das Verfahren "so schnell wie möglich abgeschlossen werden kann". Parallelen zur Affäre um den Ex-IG Metall-Vorsitzenden Franz Steinkühler mochten Funktionäre in verschiedenen Landesverbänden nicht ziehen. "Der hat sich schließlich persönlich bereichert, Zwickel nicht", hieß es.

Die Staatsanwaltschaft wirft Zwickel und acht weiteren Personen Untreue und Beihilfe zur Untreue vor. Dabei geht es um die Übernahme des Mischkonzerns Mannesmann durch den britischen Mobilfunkbetreiber Vodafone Anfang vergangenen Jahres, bei der Zuwendungen von insgesamt rund 148 Millionen Mark "zumindest zu einem erheblichen Teil ohne ausreichende Rechtsgrundlage" an ehemalige Mannesmann-Vorstände, -Aufsichtsräte und -Pensionäre geflossen sein könnten, wie die Staatsanwaltschaft vermutet. Eine "zentrale Rolle" spiele bei den Millionenabfindungen ein Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten beim Mannesmann-Aufsichtsrat, dem neben Zwickel und Ackermann auch der Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk und der Konzernbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ladberg angehörten.

Als Beschuldigte in dem Mannesmann-Ermittlungsverfahren nannte die Staatsanwaltschaft neben Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser und den vier Ausschussmitgliedern auch Vodafone-Chef Chris Gent, außerdem die ehemaligen Vorstandsmitglieder Albert Weismüller, Kurt Kinzius, Lars Berg und Peter Gerard. Bei den von dem Ausschuss beschlossenen Zuwendungen handelte es sich nach Angaben der Behörde um 88 Millionen Mark, die an Mannesmann-Vorstände geflossen waren, sowie weitere rund 60 Millionen Mark als Pensionsleistungen für Ex-Mannesmann-Mitarbeiter und deren Hinterbliebene, die vorzeitig ausgezahlt wurden statt in regelmäßigen Zahlungen. Dies, sagte der IG Metall-Sprecher, sei rechtlich "absolut unstrittig" und biete für die Staatsanwaltschaft "keine Angriffsfläche". Misstrauisch hat die Behörde aber offensichtlich die Tatsache gemacht, dass der Vorstandsausschuss den Prämienzahlungen am 4. Februar 2000 zugestimmt hatte, einen Tag, nachdem der Vorstand am 3. Februar den Mannesmann-Aktionären die Annahme des Vodafone-Angebotes empfohlen hatte.

Bei der Übernahme durch Vodafone erhielt allein Esser seinerzeit rund 32 Millionen Mark als Anerkennungsprämie und weitere 28 Millionen Mark als Abfindung. Seit Mai ermittelt in der Sache eine achtköpfige Sonderkommission des Landeskriminalamtes in Düsseldorf. Anfang Juli war Zwickel von der Staatsanwaltschaft als Zeuge vernommen worden. Am heutigen Mittwoch wird die voraussichtlich letzte Hauptversammlung der traditionsreichen Mannesmann AG stattfinden. Die britische Muttergesellschaft will das Unternehmen danach in Vodafone AG umbenennen. Sie hat alle Geschäftsfelder, die nichts mit Telekommunikation zu tun hatten, verkauft.

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