Wirtschaft : Mannesmann Arcor: Börsengang auf unbestimmte Zeit verschoben

Der für März 2001 geplante Börsengang der Festnetzgesellschaft Mannesmann Arcor ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Dies hätten die Anteilseigner auf ihrer Aufsichtsratssitzung am vergangenen Freitag beschlossen, sagte eine Unternehmenssprecherin am Montag in Eschborn. Zu den Gründen für die Verschiebung wollte sie sich nicht äußern. In Unternehmenskreisen hieß es aber, unklare Absichten des Mitgesellschafters Deutsche Bahn AG seien der Grund für die Entscheidung gewesen. Die beiden Gesellschafter Vodafone und Deutsche Bank wollten den Wachstumskurs der Festnetzgesellschaft weiter unterstützen. Eine Sprecherin der Bahn sagte in Berlin, man wolle einem Börsengang nicht im Wege stehen, halte aber weitere Verhandlungen für nötig.

"Das operative Geschäft läuft stabil weiter, auch wenn der Börsengang nicht statt findet", sagte die Arcor-Sprecherin. In Unternehmenskreisen hieß es, zu der Aufsichtsratssitzung am Freitag sei kein Vertreter der Bahn erschienen. Die Bahn habe ihre Teilnahme an der Sitzung kurzfristig und für alle anderen überraschend abgesagt. Welche Ziele die Bahn mit ihrem Verhalten verfolge, sei unklar. Nach der Aufsichtsratssitzung der Bahn am 6. Dezember hatte es aus Kreisen ihrer Aufsichtsräte geheißen, man erwäge den Rückkauf der Zugfernleitungen von Arcor. In Arcor-Kreisen hieß es am Montag, über diese Absichten der Bahn sei noch nichts offiziell bekannt. Die Bahn-Sprecherin sagte, man sei mit den übrigen Arcor-Gesellschaftern weiter im Gespräch. Worüber im einzelnen verhandelt werde, sagte sie nicht.

Die früher zum Mannesmann-Konzern gehörende Arcor sollte nach den Wünschen von Mehrheitsaktionär Vodafone im März nächsten Jahres an die Börse gebracht werden. Die britische Mobilfunkgesellschaft hält nach ihrer Übernahme von Mannesmann Anfang dieses Jahres 74 Prozent an Arcor. Die Bahn ist mit 18 Prozent beteiligt. Dritter im Bund der Eigentümer ist die Deutsche Bank AG mit einer achtprozentigen Beteiligung. Für die abermals erklärte grundsätzliche Absicht, den Börsengang von Arcor mitzumachen, spricht nach Einschätzung von Branchenexperten, dass die Bahn dringend Geld braucht. Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hatte im November angesichts unerwarteter Milliardendefizite einen Sanierungskurs angekündigt, im Zuge dessen auch alle Investitionen überprüft werden sollten.

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