Wirtschaft : Mannesmann Arcor will Otelo als eigenständige Tochter führen

DÜSSELDORF (dri/HB/AFP).Hinter Harald Stöber ziert ein riesiges Arcor-Plakat die Wand.Rechts und links klebt - ziemlich klein - der Otelo-Schriftzug.Ein Anhängsel an die Mannesmann Arcor AG & Co., Eschborn, soll Otelo trotzdem nicht werden, beteuert Arcor-Chef Stöber auf einer Pressekonferenz über den Erwerb der bisherigen Konkurrentin von Veba AG und RWE AG.Vielmehr verfolge Arcor mit der Otelo GmbH eine Zwei-Marken-Strategie."Telekommunikation gehört zur Konsumindustrie", meint Stöber.Da mache es Sinn, Marken unterschiedlich zu positionieren.Ein Unternehmen wie der Waschmittelproduzent Henkel mache dies erfolgreich vor.

Otelo werde ihren Schwerpunkt im Privatkundengeschäft haben.Das Geschäft mit Preselection-Kunden, die für alle Ferngespräche zu Otelo gewechselt sind, laufe erfolgreich: 60 000 Neukunden kämen jeden Monat zu den heute 450 000 hinzu.Die Otelo-Strategie, auf Preselection zu setzen, habe dem Unternehmen zwar ein langsameres Wachstum beschert als beispielsweise Arcor; dafür sei der zukunftsträchtige Preselection-Anteil im Privatkundengeschäft höher als bei der Konkurrenz."Das Call-by-Call-Geschäft ist wichtig", meint Stöber."Langfristig erreicht man damit aber nur die Wenigtelefonierer, für die sich ein Wechsel nicht lohnt." Eine Kundenbeziehung lasse sich zu diesen nur schwer aufbauen.Neben den Privatkunden sei Otelo stark bei Kommunen und Verwaltungen."Daran wollen wir mit Sicherheit nichts ändern", so Stöber.Kundenbindung wird in der Branche als Schlüssel zum Erfolg gesehen, nachdem in der Anfangsphase des Wettbewerbs dem unverbindlichen Call-by-Call der Vorzug gegeben worden war.Otelo hatte sich von Anfang an auf Preselection konzentriert und sich damit im ersten Jahr des Wettbewerbs beinahe ins Abseits manövriert; zähneknirschend wurde ein Call-by-Call-Angebot nachgeschoben.Inzwischen scheint die Preselection-Ausrichtung indessen Früchte zu tragen.

Für den Kaufpreis von 2,25 Mrd.DM habe Arcor Otelo schuldenfrei übernommen.Allerdings sei eine "harte Sanierung" unumgänglich, meint der Arcor-Chef.Wieviele Arbeitsplätze wegfallen werden, könne er jetzt - bevor das Kartellamt zugestimmt und die Übernahme rechtskräftig sei - nicht sagen.Die bisherigen Eigentümer hatten einen Arbeitsplatzabbau von 1000 der 2800 Stellen vorgesehen."Otelo ist im Personalbereich sehr breit aufgestellt", lautet die mild formulierte Stöber-Kritik an RWE und Veba."Wir haben bei der Sanierung den Vorteil, daß wir als Alleingesellschafter Entscheidungen schnell treffen und umsetzen können".Allerdings habe Arcor wachsenden Personalbedarf, der durch Otelo gedeckt werden könne."Überschneidende Arbeitsgebiete wie beispielsweise die Kundeninformations- und Abrechnungssysteme werden wir sehr schnell auf eine gemeinsame Basis stellen", so Stöber."Telekommunikationsexperten sind auf dem deutschen Markt kaum zu bekommen."

Arcor und Otelo zusammen sollen ihren Marktanteil von jetzt 3,1 Prozent bis zum Ende des Jahres auf mehr als fünf Prozent steigern, ist Stöbers Ziel.Der Umsatz soll auf über drei Mrd.DM steigen, wobei für Otelo das Dreivierteljahr ab 1.April einbezogen wird.Während bei Arcor die Anlaufverluste von 300 Mill.DM in 1998 weiter sinken sollen, rechnet Stöber bei Otelo mit Restrukturierungsverlusten, deren Höhe er nicht nannte.Der Break-even für die Gruppe soll 2001 erreicht werden.Stöber unterstrich, mit dem Erwerb von Otelo erreiche Mannesmann im Festnetzmarkt einen Wachstumssprung um rund 50 Prozent und sei damit "unangefochten" die Nummer eins unter den privaten Telekom-Konkurrenten.Mannesmann Arcor und Otelo verkauften zuletzt insgesamt 35 Mill.Gesprächsminuten täglich.Die Vergleichzahl der Deutschen Telekom liegt Schätzungen zufolge bei rund 500 Mill.Minuten am Tag; davon entfallen jedoch nur etwa 130 Mill.auf Ferngespräche, auf die sich der Wettbewerb bisher konzentriert.

Synergien sehen die Mannesmänner vor allem in der Kopplung der Netze, deren Struktur sich gut ergänze.So könne Arcor die Otelo-Infrastruktur als Overlay-Netz nutzen und spare eigene Investitionen "im guten zweistelligen Millionenbereich", sagt Stöber.Auch der Einstieg in das Ortsnetz in den zehn größten Städten Deutschlands, den sowohl Arcor als auch Otelo vorbereitet haben, sei "wirtschaftlicher", wenn beide Unternehmen ihre Netze bündelten.Der Otelo-Firmensitz werde von Düsseldorf nach Köln verlegt, weil dort bereits das Netzmanagement-Zentrum sei.Unter dem Verkauf von Otelo an Arcor hatte am Dienstag die Aktie der Mobilcom, die ebenfalls Otelo übernehmen wollte, zu leiden.Ihr Kurs sank um knapp zehn Prozent.

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