Mannesmann-Prozess : Politiker fordern Ackermanns Rücktritt

Einen Tag nach dem Mannesmann-Urteil reagieren die Politiker. Vertreter fast aller Parteien haben sich für einen baldigen Rücktritt von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aussprochen.

Frankfurt/Main/Berlin - "Die Hütte brennt, und der Image-Schaden ist sehr groß", sagte die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel am Donnerstag dem Sender "NDR Info". "Ich finde, der Aufsichtsrat ist jetzt gefragt." Der CDU- Wirtschaftspolitiker Andreas Lämmel riet Ackermann, seinen Posten bis zur Klärung des Untreue-Vorwurfs ruhen zu lassen. "Ich sehe es als schwierig an, dass er an seinem Posten festhält, solange das Verfahren läuft", sagte Lämmel der "Netzeitung".

Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion, Wolfgang Bosbach (CDU), betonte, das Einkassieren des Freispruchs bedeute keine strafrechtliche Verurteilung. "Die Politik wäre hier gut beraten, sich zurückzuhalten. Das ist Sache der Deutschen Bank, des Aufsichtsrates und seines Vorsitzenden Breuer", sagte er zu den Rücktrittsforderungen an Ackermann.

Der frühere SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter (SPD) sagte dem Fernsehsender "n-tv", Ackermann würden durch das BGH-Urteil "die Zähne gezogen". Die Richter hätten klar gemacht, "dass das, was sich an Unmoral und Unkultur in den Chefetagen breitgemacht hat, so keinen Bestand haben kann". Er gehe davon aus, dass Ackermann nicht mehr lange an der Spitze der Bank stehen werde. Bodo Ramelow, Fraktions- Vize der Linkspartei im Bundestag, sagte "n-tv": "Durch die Rückverweisung durch den Bundesgerichtshof ist es so, dass nicht nur ein Stäubchen auf die weiße Weste fällt, sondern ein ganzer Staubsack auf Herrn Ackermann gefallen ist, aber auch auf die Ackermanns um ihn herum." Es werde Zeit, dass der Deutsche-Bank-Chef zurücktrete.

Unterdessen stellte sich der Präsident des Bundesverbands Deutscher Banken, Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller, demonstrativ hinter Ackermann. Ohne für den Verband zu sprechen, sagte Müller am Donnerstag dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten, er bedaure, dass sich Ackermann erneut einer juristischen Auseinandersetzung stellen müsse. Er schätze den Schweizer Manager persönlich und als Kollegen. "Vorverurteilungen sollte es im Rechtsstaat nicht geben."

Der Bundesgerichtshof hatte am Mittwoch den Freispruch Ackermanns und anderer Angeklagter im Mannesmann-Prozess aufgehoben. Das Verfahren wird nun erneut aufgerollt. Es geht um die Ausschüttung von Millionen-Prämien nach der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch die britische Vodafone Anfang 2000. Der Aufsichtsrat stellte sich nach dem Urteil hinter den Deutsche-Bank-Vorstandssprecher, obwohl der Chef des Kontrollgremiums, Rolf Breuer, sich zuvor bereits zu einer möglichen Nachfolgersuche geäußert hatte. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, sprach sich im "Südwestrundfunk" für eine "vernünftige Nachfolgeregelung" aus. In Bankenkreisen zirkulieren für den Posten die unterschiedlichsten Namen, einen konkreten Kandidaten gibt es bisher nicht.

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) mahnte unterdessen eine neue Debatte über die Verantwortung von Managern an. Im Inforadio des rbb sagte Thierse, das Urteil des Bundesgerichtshofs sei "eine öffentliche Aufforderung, über die Unternehmenskultur und die Unternehmermoral in diesem Lande neu zu diskutieren". Ziel müsse eine Verhaltensänderung der Manager sein.

Der SPD-Politiker betonte, es dürfe nicht sein, dass die Höhe von Abfindungen in keinem Verhältnis zur Leistung stehe. Daher müsse über einen Kodex oder aktienrechtliche Vorschriften geredet werden, in denen dann auch "eine Relation von Einkommen und Abfindungshöhe zu den Leistungen, zum Unternehmenserfolg formuliert" sei. Außerdem müssten die Rechte der Aktionäre bei der Entscheidung über entsprechende Zahlungen gestärkt werden. (tso/dpa)

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