Wirtschaft : Mannesmann-Übernahme: Essers weicher Absturz: der Ex-Chef geht mit 60 Millionen Mark Abfindung

Henrik Mortsiefer

Klaus Esser fällt weich. 60 Millionen Mark Abfindung dämpfen den tiefen Fall des 52-jährigen Managers vom Vorstandsessel des Düsseldorfer Mischkonzerns Mannesmann in eine ungewisse berufliche Zukunft. Er werde bald wieder unternehmerisch tätig sein, hatte Esser zuletzt in Interviews angedeutet. Am Montag hieß es freilich für den promovierten Juristen erst einmal Abschied nehmen von einer überaus erfolgreichen, aber nur kurzen Karriere als Mannesmann-Chef. Knapp ein Jahr nach seiner Amtsübernahme in Düsseldorf zog Esser auf der "Hauptversammlung des Abschieds" eine für ihn persönlich bittere Bilanz: Verheiratet und Vater zweier Kinder, heuerte Esser direkt nach seinem Studium 1977 bei Mannesmann an. Mit 22 Berufsjahren gehörte er zur Stammmannschaft. Nun, nach der Übernahme durch Vodafone, verliert sich der Name Mannesmann im Konzerngeflecht des britischen Mobilfunk-Unternehmens. Nur in einigen Geschäftsfeldern, etwa bei den Röhrenwerken, wird der Name unter dem Dach eines neuen Eigentümers bestehen bleiben. Esser geht als letzter Vorstandschef eines der traditionsreichsten deutschen Industrie- und Technologie-Konzerne in die Geschichtsbücher ein.

Paradox an Essers Vita: Nicht seine Unfähigkeit kostete ihn den Job, sondern der unternehmerische Erfolg. Erst im Mai 1999 an die Spitze des Düsseldorfer Mischkonzerns gekommen, trieb Esser im Eiltempo den Umbau von Mannesmann zu einem führenden Telekommunikations-Unternehmen in Europa voran. Eine aggressive Akquisitionsstrategie und die - zuletzt erfolglose - Betonung der unternehmerischen Unabhängigkeit waren Markenzeichen des scheu und zierlich wirkenden Managers. Sein Ziel: Ein Spitzenplatz unter den neuen privaten Konkurrenten der früheren Telekom-Monopolisten. Omnitel und Infostrada in Italien, Otelo und Isis in Deutschland, Orange in Großbritannien - Mannesmann forderte mit spektakulären Übernahmen unausweichlich die britische Vodafone-Gruppe heraus, die wie Esser im Mobilfunk an die Spitze will.

Als schließlich die Übernahmeschlacht zwischen Briten und Deutschen um die Macht bei Mannesmann beginnt, glaubt Esser fest, seine Aktionäre hinter sich zu haben. Grund zur Zuversicht hätte er eigentlich haben können, war die Mannesmann-Aktie doch im Zuge des Konzernumbaus zur Freude der Anleger kräftig gestiegen. Allein 1999 betrug die Wertsteigerung des Mannesmann-Papiers rund 145 Prozent, wie Esser im Vorwort seines letzten Geschäftsberichts hervorhebt. In den vergangenen fünf Jahren belief sich die Wertsteigerung auf insgesamt mehr als 1000 Prozent. Im Dax 30 verzeichnete Mannesmann 1999 den zweithöchsten Kursanstieg. Doch der Optimismus des scharfen Analytikers Esser hat bald ein Ende: Die Abwehrschlacht gegen Vodafone Airtouch geht verloren. Am Ende honorieren die Mannesmann-Aktionäre Essers konsequenten Shareholder-Value-Ansatz nicht und entscheiden sich für die Briten. In der Nacht zum 4. Februar muss sich Esser vor laufenden Kameras geschlagen geben, Vodafone-Chef Chris Gent triumphiert neben dem gequält Lächelnden.

Vier Monate nach der Niederlage sollte nun Julian Horn-Smith zum Nachfolger Essers gewählt werden. Chris Gent fand wegen "Terminproblemen" nicht den Weg nach Düsseldorf.

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