Wirtschaft : Mannesmann-Übernahme: Was die Ermittler misstrauisch machte

Jürgen Zurheide

Brigitte Koppenhöfer, Vorsitzende Richterin der 14. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichtes Düsseldorf, schreibt Wirtschaftsgeschichte. In Kürze werden sich neben dem Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, noch fünf weitere führende Manager vor ihr auf der Anklagebank verantworten müssen. Die Richterin vermutet, dass die Manager zwischen dem 3. und dem 28. Februar 2000 rund 100 Millionen Mark aus der Mannesmann-Kasse bei der Übernahme durch den britischen Vodafone-Konzern zu großzügig verteilt haben. Der leitende Oberstaatsanwalt Hans Reinhard Henke sagt: „Das hat mit Korruption nichts zu tun, aber es gibt Anhaltspunkte dafür, dass das Umschwenken von Widerstand auf Befürwortung mit Geldzahlungen verbunden worden ist.“

Damit spielt Henke vor allem auf Großaktionär Hutchinson Wampoa an. Hutchinson hielt zehn Prozent der Mannesmann-Aktien und hatte sich verpflichtet, sie mindestens 18 Monate zu halten. Bei einer Übernahme galt die Frist nicht mehr, es zeichnete sich ein Spekulationsgewinn von 16 Milliarden Mark ab. Um den nicht zu gefährden, schlug der Konzern vor, Mannesmann-Chef Klaus Esser und seinem Team 20 Millionen britische Pfund als „Anerkennungsprämie“ für die Zustimmung zur Übernahme zu zahlen.

Das geschah nach dem 2. Februar. Esser und sein Aufsichtsratschef Joachim Funk kümmerten sich nach Meinung der Ankläger nur um eigene Interessen. Der Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten war am 3. Februar mit der Sache befasst. Ihm gehörten neben Funk und Ackermann der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Betriebsratschef Jürgen Ladberg an. Zwickel hatte wenig Einwände, dass das Geld verteilt wurde. Als später der Wirtschaftsprüfer von Mannesmann, der KPMG-Mann Günter Nunnenkamp, schwere Einwände wegen der Höhe und aus formalen Gründen erhob, begann nach Ansicht der Ermittler die Trickserei.

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