Wirtschaft : Mannesmann: Verkäufe halbieren Umsatz

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Mannesmann hat im Jahr 2000 sein Gesicht deutlich verändert. Durch den Verkauf zahlreicher Geschäftsbereiche hat sich das zum britischen Mobilfunkkonzern Vodafone gehörende Unternehmen zum reinen Kommunikationsdienstleister gewandelt. Wie Mannesmann am Montag in Düsseldorf mitteilte, lag der Umsatz im Geschäftsjahr 2000 bei 13,1 Milliarden Euro. Damit haben sich die Einnahmen gegenüber 1999 (23,3 Milliarden Euro) annähernd halbiert. Ausschlaggebend hierfür war der Verkauf der Geschäftsbereiche Maschinenbau, Röhren und Uhren und die damit einhergehende Konzentration auf das Geschäftsfeld Mobilfunk. Auch der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) verringerte sich um elf Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Mit den Unternehmensverkäufen sank gleichzeitig die Zahl der Mitarbeiter auf rund 28 600 (1999: 130 860) Beschäftigte. Personalzuwächse gebe es jedoch im Telekommunikationsbereich.

Wie Mannesmann weiter mitteilte, stieg das um die Verkäufe bereinigte Geschäftsvolumen gegenüber 1999 deutlich um rund 30 Prozent. Auch das Ebitda im Telekommunikationsgeschäft legte um 28 Prozent zu. Gut ein Jahr nachdem der weltgrößte Mobilfunkanbieter Vodafone die Übernahmeschlacht um Mannesmann gewonnen hat, will der Vorstand des Düsseldorfer Unternehmens nun einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit der ebenfalls in Düsseldorf ansässigen deutschen Vodafone abschließen. "Durch den Vertrag soll die Mannesmann AG die Leitung ihrer Gesellschaft der Vodafone Deutschland GmbH unterstellen", heißt es in einer Mitteilung von Mannesmann. Gleichzeitig verpflichtet sich Mannesmann, den gesamten Gewinn an Vodafone abzuführen.

Die Briten sind bereits jetzt mit mehr als 99 Prozent am ehemaligen Industriekonzern beteiligt und möchten die noch ausstehenden Mannesmann-Anteile aufsammeln. Deswegen hat Vodafonde den restlichen Mannesmann-Aktionären eine Offerte unterbreitet: Vodafone bietet eine Barabfindung von 206,53 Euro pro Mannesmann-Stückaktie. Den Anteilseignern, die ihre Mannesmann-Papiere dennoch behalten wollen, zahlt Vodafone eine jährliche Garantiedividende von 11,77 Euro pro Anteilsschein. Auf das Angebot reagierte die Mannesmann-Aktie am gestrigen Handelstag mit einem Kurssprung von mahr als 50 Prozent auf 203 Euro und passte sich damit der beabsichtigten Übernahmeofferte an. Der Vertrag bedarf jedoch noch der Zustimmung des Aufsichtsrates und der Hauptversammlung von Mannesmann, die am 22. August stattfinden wird.

Nach dem Verkauf der Industriesparten - darunter Atecs - und des Geschäftes mit teuren Uhrenmarken ist die Mannesmann AG nun eine reine Telekommunikationsgesellschaft. Zu ihr gehören Mannesmann Mobilfunk (D2 Vodafone), die Festnetzgesellschaft Mannesmann Arcor und der italienische Mobilfunkbetreiber Omnitel. Arcor soll noch an die Börse gebracht werden.

Nach Angaben von Mannesmann sind die Verkäufe ein wesentlicher Grund für das deutlich geschrumpfte Betriebsergebnis im Geschäftsjahr 2000. Der Wegfall der Ergebnisbeiträge aus diesen Bereichen führte zu einem Einbruch auf 340 Millionen (1999: 1,5 Milliarden) Euro. Auch die Zunahme der Anlaufverluste von Arcor und der Akquisitionsaufwand im Mobilfunkgeschäft hätten zu dem Rückgang beigetragen. Gleichzeitig konnte Mannesmann in 2000 durch die Verkäufe einen außerordentlichen Gewinn von 10,4 Milliarden (1999: minus 210 Millionen) Euro ausweisen. Ein Großteil hiervon stammt aus dem Verkauf des Mobilfunkbetreibers Orange an France Télécom.

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