Wirtschaft : Mannschaftstreffen im Kanzleramt

Das „Land der Ideen“ nimmt Gestalt an: An der Fußball-WM-Kampagne wollen sich viele Unternehmen beteiligen

Alfons Frese[Robert Ide],Henrik Mortsiefer

Berlin - Das gibt ein hübsches Mannschaftsbild mit dem Spielführer mittendrin. Bald nach Ostern trifft sich der Kader des FC Deutschland 06 im Kanzleramt. Dann steht der Kreis der Mitwirkenden, und die Kampagne „Land der Ideen“ kann starten. So hat sich das Bundeskanzler Gerhard Schröder vorgestellt und dazu den einen oder anderen Unternehmenschef persönlich zum Mitmachen und Bezahlen ermuntert: Kleine Firmen sollen 100000 Euro geben, mittelgroße 500000 und Konzerne mit mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz eine Million. Alles in allem sollen die Firmen zehn Millionen zur Imagekampagne für Deutschland im Jahr der Fußball-WM beitragen; in derselben Größenordnung ist der Steuerzahler dabei, so dass die federführende Werbeagentur Scholz& Friends 20 Millionen Euro ausgeben darf. Aber wofür?

Mike de Vries hat in der vergangenen Woche seine Werbetour bei den Unternehmen begonnen. De Vries ist Geschäftsführer der FC Deutschland 06 GmbH, die extra für die Kampagne gegründet wurde. „Die Signale sind sehr positiv“, sagte de Vries dem Tagesspiegel am Sonntag. „Ich gehe davon aus, dass wir mehr als zehn Millionen Euro von der deutschen Wirtschaft einwerben können.“ Die erste Runde der Firmenakquisition sei in einem Monat abgeschlossen. Dann endlich werden auch die Elemente der Kampagne im Detail vorgestellt.

„Wir stehen der Sache wohlwollend gegenüber“, sagt ein Sprecher des Energiekonzerns EnBW. Derzeit werde noch geprüft, wie man sich einbringen könne. „Wir prüfen eine konkrete Beteiligung“, heißt es auch bei der Deutschen Bank. Ähnlich äußert sich RWE. „Die Präsentation und das Konzept haben uns gefallen.“ Die Einzelheiten des Engagements seien aber noch offen. Das gilt auch für VW und Daimler- Chrysler, BASF und Bayer. „Wir brauchen aktive Partner“, sagt de Vries. Nach Informationen des Tagesspiegels ist deshalb geplant, einen Ideenwettbewerb innerhalb der Kampagne auszuschreiben. Dabei soll das Vorschlagswesen der Firmen genutzt werden. Die besten Ideen werden prämiert. Intern wird auch über Ideenwettbewerbe an Schulen und Unis nachgedacht. Bei Porsche ist man schon weiter. „Wir machen auf jeden Fall mit und haben auch eine Idee“, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. „Wenn die umgesetzt wird, wäre das ein Knaller.“ Alles weitere bleibt geheim.

Um den großen Lizenznehmern die Gelegenheit zu geben, sich im Rahmen der Kampagne besonders hervorzutun, sollen für sie nach jüngsten Plänen der Organisatoren zusätzliche Premium-Pakete geschnürt werden. „Die großen Unternehmen sind eingeladen, sich über ihre Lizenz hinaus zu engagieren“, sagt Scholz&Friends-Vorstand Thomas Heilmann. „Vorstellbar ist etwa, dass das Medienzentrum für die zahlreichen Journalisten in den Räumen eines Konzerns untergebracht ist, der auch die technische Infrastruktur und die Verpflegung zur Verfügung stellt.“ Ein anderes Paket könnte vorsehen, dass ein Konzern ein Land oder eine Weltregion exklusiv „adoptiert“, um dort mit der „Land-der-Ideen-Lizenz“ für den WM-Standort zu werben.

Ein weiterer Plan der Kampagne-Macher sieht eine Vortragsreihe zum Deutschlandbild vor. Dabei sollen ausländische Persönlichkeiten vom Range eines Michail Gorbatschow über ihr Bild vom WM-Gastgeberland referieren. Nach dem Wunsch der Organisatoren wird mit solchen Aktionen das Selbstwertgefühl der Deutschen gesteigert werden. „Wir wünschen uns, dass die Menschen wieder ein gesundes Selbstbewusstsein bekommen“, sagt de Vries. Zudem sollen deutsche Innovationen aus Vergangenheit und Zukunft angepriesen werden. Neben der Halbleitertechnik und der Molekularmedizin zum Beispiel der Transrapid und natürlich Autos.

Doch der Plan, etwa ein deutsches Markenauto als riesiges Styropor-Modell vor das Brandenburger Tor zu stellen, wird modifiziert – mit Rücksicht auf Hyundai. Der koreanische Autohersteller ist offizieller Sponsor des Fußball-Weltverbandes Fifa. Und der Fifa und ihren Geldgebern will man auf keinen Fall in die Quere kommen. Deshalb wird auch die „Land- der-Ideen-Kampagne“ während der WM ausgesetzt. Und in Berlin wird ein Designerauto ohne Marke präsentiert. Es soll deutsche Innovationen wie die Fahrgastzelle und das Anti-Blockiersystem vereinen. Während der WM darf das Auto aber nicht vor dem Brandenburger Tort postiert werden, da es ansonsten in der Fifa-Bannmeile stehen würde.

Wie man hört, wird die Fifa während der WM 380 Anwälte im Einsatz haben, die gegebenenfalls Verstöße gegen die Exklusivität ihrer Sponsoren mit saftigen Ordnungsgeldern ahnden. Wenn zum Beispiel aus Versehen ein deutscher Nationalspieler mit einer Trainingsjacke mit aufgedrucktem Mercedes-Stern im Stadion auftauchen würde, könnte das Daimler-Chrysler Millionen kosten.

Die Kampagne der Deutschen läuft bis Ende 2006. Alle Unternehmen, die eine Lizenz zum Mitmachen erwerben, können bis dahin Wort- und Bildmarke nutzen und sich an der Kampagne beteiligen. „Die WM selbst ist aber nahezu werbefreie Zone“, sagt de Vries. Trotz dieser Einschränkung seien die Lizenzen attraktiv. „Im Vergleich zu einem Engagement im Fußballbereich ist das doch günstig.“ mit awm/pet

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