Marine : "Gorch Fock" kehrt nach Meuterei-Vorwürfen um

Was passierte auf der "Gorch Fock"? Ermittler sollen klären, ob Offiziersanwärter von der Stammbesatzung sexuell belästigt und bedroht wurden. Vorwürfe der Meuterei stehen gegen Auszubildende im Raum. Der Wehrbeauftragte weist diese zurück.

6. Mai 2011: Die "Gorch Fock" legt in Kiel an. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um das Segelschulschiff gegeben, weil eine Anwärterin zu Tode kam.Weitere Bilder anzeigen
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06.05.2011 11:396. Mai 2011: Die "Gorch Fock" legt in Kiel an. Zuvor hatte es monatelange Diskussionen um das Segelschulschiff gegeben, weil eine...

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) verlangt nach der angeblichen Meuterei auf dem Segelschulschiff "Gorch Fock" umfassende Aufklärung. Aufschluss erhofft sich der Minister von einem Ermittlungsteam, das die Vorgänge nach dem Tod einer Offiziersanwärterin im vergangenen November aufklären soll.

Das Team wird nach Angaben des Ministeriums vom Donnerstag zusammengestellt und soll sich dann auf den Weg machen. Unklar ist noch, wann die Ermittlungen beginnen sollen. Wegen der Ermittlungen kehrt die "Gorch Fock", die auf Weltumseglung ist, zu ihrem letzten Hafen Ushuaia in Argentinien zurück. Dort soll das Ermittlerteam an Bord gehen.

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus wies unterdessen die Meutereivorwürfe gegen Besatzungsmitglieder der "Gorch Fock" sowie Zweifel am Ausbildungskonzept des deutschen Segelschulschiffs zurück. "Es gab keine Meuterei", sagte Königshaus dem Nachrichtensender N24 zu den Vorgängen an Bord des Dreimasters nach dem tödlichen Sturz einer Offizieranwärterin aus der Takelage Anfang November.
Es habe lediglich Vorwürfe gegenüber den Seekadetten gegeben, die "in diese Richtung gingen". So habe die Schiffsführung nicht gutgeheißen, dass Seekadetten nach dem Unfall nicht zum Tagesbetrieb übergehen und insbesondere nicht zum Klettern in der Takelage veranlasst werden wollten.

Wenig Verständnis zeigte Königshaus für die Beschwerden von Seekadetten über einen rauhen Umgangston und mangelnden persönlichen Komfort an Bord des Schiffes. Damit müssten die angehenden Offiziere klarkommen. Grundlegende Zweifel an der Seekadettenausbildung auf der "Gorch Fock" hält der Wehrbeauftragte für unangebracht: "Es geht jetzt nur darum, ob nach dem tödlichen Unfall die richtigen Maßnahmen getroffen wurden. Das Konzept selbst, das Schiff selbst - alles dies steht hier überhaupt nicht infrage." Der vorübergehende Ausbildungsstopp auf der "Gorch Fock" habe lediglich einer Deeskalation der aufgeheizten Stimmung an Bord gedient.

Nach dem Tod der Kadettin hatten Mitglieder der Besatzung Vorgesetzten Versagen vorgeworfen. Die Ermittler müssen auch Vorwürfen nachgehen, die Stammbesatzung habe Offiziersanwärter bedroht und sexuell belästigt.

An Bord der "Gorch Fock" befindet sich derzeit die Stammbesatzung unter Kapitän Norbert Schatz. Die Ausbildung war nach dem tödlichen Sturz der 25-jährigen Offiziersanwärterin von der Takelage ausgesetzt worden.

Die anderen Anwärter kehrten nach Deutschland zurück. Ihre Aufgaben wurden von der Stammbesatzung und eingeflogenen Soldaten übernommen, damit der Dreimaster die Fahrt fortsetzen kann. Ein Ministeriumssprecher sagte: "Es gibt keine Entscheidung, dass die Reise abgebrochen wird."

Ein Sprecher der Marine sagte, der Dreimaster werde noch am Donnerstag gegen 18 Uhr (deutsche Zeit) in der südlichsten Stadt Argentiniens erwartet. "Das sind schwerwiegende Vorwürfe", sagte der Marine-Sprecher, Fregattenkapitän, Alexander von Heimann. "Wir werden jetzt alles Menschenmögliche tun, um den Sachen nachzugehen und das aufzuklären." Die Untersuchungskommission soll zügig Gespräche mit allen Beteiligten führen.

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Ulrich Kirsch, warnte vor voreiligen Schlüssen. Man müsse prüfen, ob Sicherheitsbestimmungen verletzt worden seien, sagte Kirsch dem "Hamburger Abendblatt". "Manchmal stellt sich am Ende manches anders dar als am Anfang."

Kirsch verteidigte das Ausbildungskonzept auf dem Segelschiff. "Es gibt keine bessere Ausbildung als auf einem Schiff, wenn es um den Crew-Gedanken geht." Das Konzept werde sich auch in Zukunft bewähren.

In der vergangene Woche war schon eine Delegation des Wehrbeauftragten zu Gesprächen bei der Besatzung gewesen. Demnach hatten sich nach dem tödlichen Sturz der Kameradin trauernde Offiziersanwärter geweigert, wieder in die Takelage zu klettern. Sie sollen trotzdem zum sogenannten Aufentern gedrängt worden sein. (dpa/dapd)

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