Wirtschaft : Mario Monti: An dem EU-Wettbewerbskommissar kommt keiner vorbei

Martina Ohm

Niemand solle Mario Monti unterschätzen, warnte EU-Wettbewerbskommissar Karel Van Miert, als er im Sommer 1999 in der ausgestorbenen Brüsseler Zentrale seine Kisten packen musste. Einen würdigeren Nachfolger als seinen verlässlichsten Mitstreiter gebe es nicht. Van Miert hat Recht behalten. Mittlerweile dürfte jedem klar sein: An Mario Monti kommt keiner vorbei. Und das nicht nur in Europa. Selbst ein Jack Welch, Chef von General Electric (GE), musste zur Kenntnis nehmen, dass Europas Wettbewerbshüter zwar verbindlich im Ton, aber unbeirrbar in der Sache sind. Weil Marktdominanz dem Verbraucher schadet, blockierte Monti kurzerhand den geplanten Zusammenschluss von GE und Honeywell. Der mächtigste Mann in Brüssel legt sich mit jedem an, wenn es um unzulässig Beihilfen, Fusionen, um Firmenabsprachen oder um den Verdacht auf Marktmissbrauch geht. Weder Volkswagen-Chef Ferdinand Piëch noch Kanzler Gerhard Schröder werden geschont: Am Mittwoch blockierte Monti Beihilfen für die gläserne VW-Fabrik in Dresden. Am Dienstag musste sich die Bundesregierung im Bankenstreit seinem Ultimatum beugen Deutschland muss seinen Sonderweg verlassen. Dass Brüssels oberster Wettbewerbshüter derart konsequent durchgreift, darf keinen überraschen. Schon gar nicht in Deutschland. Denn die Deutschen haben die Messlatte für Europas Binnenmarkt erst so hoch gelegt. Über den Erfolg darf die Bundesregierung sich jetzt nicht beklagen. Auch das weiß Berlin: Ohne Einlenken im Bankenstreit hätte Brüssel Europas Musterschüler an den Pranger gestellt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben