Wirtschaft : Mario Monti kämpft für die Autokäufer

Alfons Frese

Politik ist das Bohren dicker Bretter. Falls der EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti dies noch nicht gewusst haben sollte - die Reform der berüchtigten Gruppenfreistellungs-Verordnung (GVO) für den Autovertrieb klärt ihn auf. Die GVO befreit den Handel mit Neuwagen vom EU-Kartellverbot. Anders gesagt: Die Autohersteller haben Vertragshändler, die nur die Autos dieses Herstelles in einem bestimmten Gebiet verkaufen dürfen; ferner übernehmen diese Vertragshändler Wartung und Reparatur. Monti will dieses System für den Wettbewerb öffnen, damit schließlich auch die Autopreise sinken. Der gravierendste Effekt der Vertriebsöffnung: Autos könnten künftig überall gekauft werden, auch bei Aldi. Nun wehren sich Gewerkschaften und Autohändler, Werkstätten und Hersteller gegen die Aufhebung des bisherigen Systems. Bundeskanzler Gerhard Schröder selbst setzt sich für die GVO ein und hat nun, kurz bevor Monti seinen Entwurf vorstellen will, Wirtschaftsminister Müller vorgeschickt. Beim Auto hört der Spaß auf. Die Erfinder der GVO meinten, dass Autos von Experten gewartet werden müssten; exklusive Händler und ihre Werkstätten schienen das am ehesten zu gewährleisten. Nun argumentieren die Monti-Gegner, durch die mögliche Trennung des Autoverkäufers von Wartungsdiensten sei die Sicherheit der Pkw gefährdet. Desweiteren würden der unvermeidlichen Konzentration in großen Händlergruppen viele Mittelständler zum Opfer fallen. Sehr überzeugend ist das alles nicht. Die Händlernetze werden auch jetzt schon ausgedünnt, und was die Sicherheit eines Autos anbelangt, dürfte der Autofahrer selbst am Besten einschätzen können, ob er von dieser oder jener Werkstatt eine gute Leistung bekommt. Die Widerstandsfront gegen Monti ist vielmehr deshalb so groß, weil alle möglichen Beteiligten gut von dem System gelebt haben. Auf Kosten der Autokäufer.

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