Wirtschaft : Marken: Wer rettet Polaroid? Der Traditonsbetrieb ist am Ende

Nicholas Neu

Es war 1943, als die dreijährige Jennifer Land ihren Vater fragte, warum sie die gerade geknipsten Fotos nicht sofort sehen könne. Der Gedanke ließ Edwin Land keine Ruhe. Vier Jahre später präsentierte der Erfinder und Gründer der Polaroid Corp. die erste Sofortbildkamera der Welt. Das Prinzip ist genial einfach: Edwin Land baute der Kamera einfach eine Dunkelkammer ein.

Mit seiner Erfindung legte Land den Grundstein für eine der erfolgreichsten Firmengeschichten der USA, sein Unternehmen sollte zum zweitgrößten Fotokonzern der Welt werden. Jetzt nahm die Geschichte allerdings ein unrühmliches Ende: die Polaroid Corp. ist zahlungsunfähig. Das ehemalige Vorzeige-Unternehmen steht mit knapp einer Milliarde US-Dollar in der Kreide.

Schon seit Jahren litt der Konzern, der inzwischen auch Sonnenbrillen, Software und Identifizierungsprogramme anbot, unter massiven Absatzproblemen seiner Kameras. Erst nahmen Fotoläden, die Bilderentwicklung in einer Stunde anbieten, Polaroid erhebliche Marktanteile ab, dann machten Digitalkameras dem Traditionsunternehmen das Leben schwer. Polaroid habe die Marktentwicklung verschlafen, heißt es in der Branche. "Der Fotohersteller hat in den letzten zehn Jahren keine großartigen Innovationen mehr geliefert", sagt Nikolas Meyer-Lindemann vom Bankhaus Lampe.

Der Abstieg begann 1995, als der neue Unternehmenschef Gary DiCamillo eine neue Marschrichtung ankündigte: Polaroid sollte vom Technologieunternehmen zum profitablen Massenhersteller umgebaut werden. "Diese Wandlung ist Polaroid aber nicht gelungen", sagt Meyer-Lindemann. Auch die I-Zone-Kamera habe nicht den erwünschten finanziellen Erfolg gebracht. Das zunächst erfolgreiche Geschäft mit den Billigkameras, mit der sich briefmarkengroße Bilder zum Aufkleben machen lassen, flaute schon nach wenigen Monaten ab.

Was wird jetzt aus dem Traditionsunternehmen? Ein Verkauf des Unternehmens oder von Einzelbereichen gilt als wahrscheinlich. Als möglicher Retter wurde bereits Canon ins Spiel gebracht. Der japanische Konzern könnte unter dem Namen Polaroid weiter Kameras verkaufen - und so zumindest den weltweit bekannten Markennamen retten.

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