Wirtschaft : Markenartikler wollen Frieden mit dem Handel

FRANKFURT (MAIN) (ro).Nach der Verabschiedung der 6.Kartellnovelle starten die Markenartikel-Hersteller einen neuen Versuch, den Clinch mit dem Handel über Einkaufspreise und Rabatte beizulegen.Die Novellierung des Kartellgesetzes ist nach Ansicht von Manfred Stach, Vorsitzender des Markenverbandes, für die Industrie ein Zwischenerfolg, weil es unter anderem Verkäufe unter Einstandspreis untersagt."Eine ausgewogene Machtbalance zwischen Industrie und Handel ist damit aber noch nicht sichergestellt", betont Stach, im Hauptberuf Chef der Deutschen Unilever.Bislang allerdings gebe es für eine neue Annäherung zwischen Industrie und Handel keine Signale.

Im den vergangenen beiden Jahren sind die Beziehungen zwischen Industrie und Handel nach Angaben des Markenverbandes in den Sog der Konzentrationswelle geraten."Als deren Folge versuchen die Handelspartner massiver als je zuvor, ihre Interessen gegenüber den Herstellern durchzusetzen." Beispielhaft dafür nennt der Markenverband die Beteiligung des französischen Handelskonzerns Intermarché an der Spar, den Einstieg des US-Handelsriesen Wal Mart bei Wertkauf oder die Übernahme von Allkauf durch Metro."Hochzeitsbonus" oder "Expansions-Forderungen" sind nach Angaben des Markenverbandes zwei Stichwörter, mit denen die Handelskonzerne "rechtswidrig" niedrigere Einkaufspreise erzwingen wollen.Stach berichtet außerdem von Sonderforderungen angesichts der Erhöhung der Mehrwertsteuer.Auch Jubiläen und die Eröffnung des hundertsten Marktes seien willkommene Anlässe.1997 versuchte außerdem eine Einkaufskooperation, die von einem Korruptionsfall in den eigenen Reihen betroffen war, von Lieferanten einen "Solidarbeitrag" einzufordern.

Bei der Industrie, betont Stach, sei man durchaus zu finanziellen Zugeständnissen an den Handel bereit - "wenn die Gegenleistung stimmt".Der Markenverband sei entschieden für Wettbewerb.Aber es gebe dann Probleme, wenn die Marktmacht des Handels zu stark werde.Die Entwicklung gewinnt derzeit nach Ansicht von Stach dadurch an Schärfe, daß der Einkauf jetzt zunehmend international angelegt wird.

Mit Blick auf die Zahlen ist das abgelaufene Jahr für die Markenhersteller allerdings nicht schlecht gelaufen.Der Umsatz kletterte um vier Prozent auf 523 Mrd.DM.Vor allem der Export sorgte mit einem Plus von sieben Prozent auf 186 Mrd.DM für einen Schub.Für das laufende Jahr rechnet Stach mit einer Konsolidierung der Aufwärtsentwicklung.Dabei werde nicht nur der Export die treibende Kraft sein, auch die Binnenkonjunktur habe mittlerweile angezogen.Auch die Prognosen der rund 300 Mitgliedsfirmen des Markenverbandes belegten die "Trendwende zum Besseren".Nur 13 Prozent der Unternehmen rechneten mit sinkenden Gewinnen, über 50 Prozent wollten die Beschäftigung konstant halten, fast 60 Prozent wollten genauso viel investieren wie 1997, und fast 30 Prozent wollten ihre Investitionen sogar erhöhen.

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