Wirtschaft : Markenpiraten werden immer zahlreicher und perfekter

BONN (AP).Immer mehr gefälschte Produkte tauchen in Deutschland auf, gleichzeitig werden die Fälschungen immer besser.Wie der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) am Mittwoch in Bonn berichtete, ist besonders der Import von gefälschten Markenartikeln aus dem Ausland in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen.

DIHT-Geschäftsführer Franz Schoser erklärte am Mittwoch in Bonn, betroffen seien inzwischen nicht nur die "klassischen Branchen" wie die Uhren- und Textilindustrie, sondern auch die Elektro-, Pharma-, Phono- und Autoindustrie.Auch die Verbraucher müßten sich im Klaren sein, daß die billig hergestellten gefälschten Produkte in der Regel qualitativ mit dem Original nicht vergleichbar seien.Zur Bekämpfung des Markenklaus forderte Schoser die Unternehmen auf, in fälschungssichere Kennzeichnungen ihrer Markenprodukte zu investieren.

Insgesamt beträgt nach Angaben des "Aktionskreises Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie" der geschätzte Umsatzverlust in Deutschland rund 55,5 Mrd.DM, weltweit etwa 500 Mrd.DM.Rund 70 000 Arbeitsplätze gingen allein in Deutschland durch die Piraterie verloren.

Nach Schosers Worten nahm parallel zur Menge der Fälschungen "zumindest auf den ersten Blick" auch deren Qualität zu.Selbst für Fachleute seien Fälschungen beispielsweise im Elektronikbereich nicht mehr zu unterscheiden.Bei etwaigen Unfällen infolge der mangelhaften Qualität stelle sich damit auch das Problem der Produkthaftung.1997 habe der Zoll nach Angaben der Oberfinanzdirektion Hannover bundesweit gefälschte Artikel im Wert von 9,3 Mill.DM sichergestellt.Zwei Jahre zuvor habe der Wert noch bei 270 000 DM gelegen.

Um dem Markenklau vorzubeugen, würden in der Textilindustrie beispielsweise Sicherheitsfäden oder Hologramme verwendet, wie sie sich auf Bankkarten bereits bewährt hätten, erklärte Schoser.Auch Fußballvereine und Autofirmen griffen bei der Verpackung bereits zu diesem Mittel.Daneben gebe es unsichtbare Kennzeichnungen, die mit einem Spezialgerät lesbar, aber nur bei Zollkontrollen von Nutzen seien.Schoser erklärte, die Herstellung der neuen Sicherungen seien kostspielig, würden sich aber langfristig rechnen, zum einen beim Absatz der Originale, zum anderen entfielen damit anfallende Prozeßkosten gegen die Piraten.

Am stärksten betroffen von der Produktpiraterie ist laut Aktionskreis die Technikbranche, mit 48 Prozent der Fälschungen.Auf die Textilbranche kommen 29 Prozent.

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