Wirtschaft : Marketing im Zeichen der Ringe

SANDRA SCHUFFELEN (hb)

In Nagano kämpfen auch Unternehmen mit / Kurzfristiger Einfluß auf Aktienkurse möglichVON SANDRA SCHUFFELEN (hb) DÜSSELDORF.Mehr als 2500 Athleten konkurrieren bei den 16.Olympischen Winterspielen in Nagano um die Medaillen.Weniger beachtet, nicht aber weniger hart ist der Wettstreit der Sponsoren.Zu den Partnern des Olympischen Komitees zählen beispielsweise Coca-Cola, IBM, McDonalds, Kodak, Xerox oder Samsung - quasi die Elitetruppe der Sponsoren.Das müssen sie jedoch teuer erkaufen: Rund 40 Mill.Dollar investiert jedes dieser Unternehmen, damit ihr Name und Logo per TV-Satellit in rund 120 Länder der Welt übertragen wird. Zu den lokalen Sponsoren in Nagano zählen die sogenannten Gold Sponsors wie etwa Mizuno, Seiko, Toyota, NTT, KDD oder Amway."Der Werbeeffekt ist nicht zu unterschätzen.Er kann kurzfristig sogar die Aktienkurse der Konzerne nach oben treiben", meint Hean-Lee Poh, Analyst der WestLB.Zu den Favoriten aus der japanischen Sponsorenliga zählt seiner Meinung nach Toyota.Für die Automobil-Aktie setzt er das Kursziel auf Sicht der kommenden zwölf Monate auf 4000 Yen (aktuelle Notiz: 3390 Yen)."Die Wirtschaftskrise in Asien könnte zwar den Gewinn beeinträchtigen, aber der Verlust dürfte durch die starke Nachfrage in den USA mehr als ausgeglichen sein", so Poh.Auch Tomoko Weißmeier, Anlagestrategin der Deutschen Bank, rechnet langfristig mit stark steigenden Gewinnen.Toyota sei weltweit "sehr gut positioniert", so die Analystin.Die Winterspiele in Nagano nutzt der Autokonzern als Showbühne für seine neuen High-Tech-Produkte.Die Autobauer stellen den Organisatoren kostenlos eine Flotte umweltfreundlicher "Hybridwagen" zur Verfügung. Eine ähnliche Strategie fährt der Sportartikelhersteller Mizuno.Er hat für die Spiele eine recycelbare Uniform entwickelt, die die rund 40 000 Helfer während der Olympiade tragen."Mizuno ist jedoch von der konjunkturellen Flaute in Japan besonders stark betroffen.Vom Kauf der Aktie ist deshalb abzuraten", warnt Poh.Das gelte ebenso für den Uhren- und Schmuckhersteller Seiko, der 60 Prozent seines Umsatzes in Japan erziele.Skeptisch ist der WestLB-Analyst auch bei den Gold Sponsors Kirin, KDD, Hachijuni Bank und Amway Japan Ltd. Gute Kurschancen sieht er dagegen für den Telekommunikationswert NTT und stimmt darin mit der Einschätzung von Jeannette Möhlenbrock, Bankhaus Oppenheim, überein."NTT wird in eine Holdinggesellschaft überführt und kann so optimal auf die Deregulierung des Telekommarktes reagieren", begründet die Kölner Analystin ihre Empfehlung.In Nagano präsentiert NTT Mini-Handys, die wie Armbanduhren getragen werden.Einziger Wermutstropfen für Privatanleger ist der Preis der NTT-Aktie: Sie kostet pro Stück rund 1,2 Mill.Yen, umgerechnet mehr als 17 000 DM.Japans größter Elektronik-Konsumhersteller Matsushita lanciert in Nagano ein flaches Mini-Disc-Gerät und eine ultraleichte Videokamera.Während das Bankhaus Oppenheim die Kurschancen des Elektronikkonzerns Matsushita (Panasonic) optimistisch beurteilt, rät die WestLB von Engagements ab.Japan-Experte Poh: "Konkurrent Sony produziert die pfiffigeren Produkte.Matsushita ist lediglich Marktfolger." Unter den amerikanischen Olympia-Sponsoren besitzt die IBM-Aktie das größte Kurspotential, so die Einschätzung von Goldman Sachs.Die Investmentbank führt den Computerkonzern auf ihrer "Global Priority List" und beziffert die Kurschancen der Aktie in den nächsten zwölf bis 18 Monaten auf plus 20 Prozent.Ein Kurszuwachs von immerhin 10 Prozent prognostiziert das Bankhaus für den Elektronikkonzern Xerox, der gute Verkaufserfolge mit seiner digitalen Produktlinie erziele.Schwieriger dagegen die Situation von Eastman Kodak, da sich durch den Preisanstieg von Silber die Produktionskosten stark erhöht haben.Goldman Sachs hat daher seine Gewinnschätzung um 0,30 Dollar pro Aktie reduziert.Coca-Cola und McDonalds werden nach Meinung der New Yorker der durchschnittlichen Marktentwicklung folgen. Eines ist sicher: Ohne die Sponsoren könnten heute keine Olympischen Spiele stattfinden.Ob sich jedoch das Marketing-Ereignis für die Unternehmen langfristig auszahlt, ist kaum meßbar.Für Anleger heißt es in jedem Fall: Sind die Unternehmensdaten wenig überzeugend, wird auch Nagano den Aktien keine nachhaltigen Impulse geben.

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