Marketing : Werbung wird immer schmuddeliger

Sexistisch, gewaltverherrlichend. In der Krise werben Firmen aggressiver. Die Zahl der Beschwerden ist gestiegen.

Berlin - Die Postkarte zeigt den Unterleib einer Frau im Bikini. Auf der Höhe des Schambeins steht: „24 h open“, dabei der Text: „Sexy Preise“. So warb eine Hotelkette für ihr Angebot – bis der Werberat die Reklame als demütigend und menschenunwürdig rügte. Eine Rüge kassierte auch die Firma, die nicht einsehen wollte, dass ein blutbespritzter Boxer mit blutgetränkten bandagierten Fäusten unter der Überschrift „Unschlagbar!“ kein guter Werbeträger für Laptops ist. Gewaltverherrlichend sei das, meinte der Werberat. Nach seiner Beobachtung fördert die Krise solche Schmuddelwerbung.

Der Werberat ist eine Institution, die von der Branche selbst getragen wird und der Selbstkontrolle dient. Die 13 Mitglieder sollen Missstände feststellen und beseitigen. Jeder kann sich dort über Werbung beschweren, die rechtlich in Ordnung, aber dennoch anstößig ist. Wie etwa das Plakat einer Baufirma, das das Hinterteil einer Frau im String zeigt mit dem Text: „Nicht überall sieht Wasser so attraktiv aus“. Das sei eine sexistische Geschmacksverirrung, urteilte der Werberat. Gegen Models in Dessous auf Straßenbahnen hatte er dagegen nichts.

Die Zahl der Beschwerden ist von 118 im ersten Halbjahr 2008 auf 147 in diesem Jahr gestiegen. Davon beanstandete der Rat 39, neun mehr als im Vorjahr. Ursache für die wachsende Zahl umstrittener Werbung sei offenkundig der gestiegene Leistungsdruck auf den Märkten. „Da ist kein Grund, in der Werbung über die Grenzlinie gesellschaftlich akzeptierter Marktkommunikation zu gehen“, mahnte der Werberat. Vor allem kleine Firmen meinten, es gehe vor allem darum, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Aufsehen schaffe aber kein Ansehen. vis

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