Wirtschaft : Marks and Spencer: Britische Kette zieht sich aus Deutschland zurück

Die britische Textilhandelskette Marks and Spencer will sich künftig auf ihren Heimatmarkt konzentrieren und zieht sich vollständig aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zurück. Mit einem "radikalen" Umbau werde sich das Traditionsunternehmen bis Jahresende von allen Filialen auf dem Festland sowie Töchtern in Asien und den USA trennen, erklärte der Konzern am Donnerstag in London. 4400 Stellen würden damit wegfallen. In Deutschland werden die Häuser auf der Frankfurter Zeil und in der Kölner Innenstadt geschlossen. Hinzu kommen zwei Dessous-Boutiquen der Kette Msl in Hamburg und Oberhausen. Betroffen sind in Deutschland 271 Mitarbeiter. Marks and Spencer will versuchen, zumindest in Teilen eine Übernahme der Beschäftigten durch Käufer der Standorte zu erreichen.

Mit der Radikalsanierung zieht Marks and Spencer einen Schlussstrich unter die ehrgeizigen Expansionspläne der vergangenen Jahre. In Deutschland, Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden sowie Portugal und Spanien verlieren 3350 Mitarbeiter ihre Stellung. Anlass für den Schnitt waren weiter sinkende Einnahmen auf dem Heimatmarkt Großbritannien. Dort verzeichnete das Unternehmen in den ersten neun Wochen des Jahres Umsatzeinbußen von 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In Köln trifft es 155 Beschäftigte, in Frankfurt 105 und weitere in Hamburg und Oberhausen. Eine Sprecherin sagte, die Mitarbeiter seien am Donnerstag über die Schließungspläne informiert worden. Nun werde ein Sozialplan ausgearbeitet. "Wir sind optimistisch, dass aufgrund der guten Lage führende Einzelhändler in die Marks-and-Spencer-Filialen einziehen und Mitarbeiter übernehmen werden." Konkrete Gespräche mit Interessenten gebe es noch nicht. Ein genauer Zeitpunkt für die Schließung der Häuser stehe damit noch nicht fest.

Im Juni 2000 hatte Marks and Spencer in Deutschland bereits die Schließung von vier Filialen in Dortmund, Essen, Wuppertal und in Frankfurt am Main angekündigt. Damals hatte das Unternehmen mitgeteilt, es wolle sich "auf 1-A-Lagen in erstklassigen Städten" konzentrieren. Mit dieser Strategie sind die Briten nun gescheitert. Zum Flop wurde auch die neue Boutique-Kette Msl. Angesichts stark gesunkener Umsatzzahlen und gravierender Managementprobleme wird Marks and Spencer schon seit Monaten als Übernahmekandidat gehandelt.

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