Wirtschaft : Markt der Möglichkeiten

Goldman Sachs verliert mit Immobilien, Bank of America macht hohen Gewinn

Teure Immobilien. Die Hauptverwaltung von Goldman Sachs in New York. Die Investmentbank hat auch Pech gehabt mit einem Fonds für Gewerbeimmobilien. Foto: dpa
Teure Immobilien. Die Hauptverwaltung von Goldman Sachs in New York. Die Investmentbank hat auch Pech gehabt mit einem Fonds für...Foto: REUTERS

New York - Die Krise bei den Gewerbe-Immobilien fordert ihren Tribut. Mit dem „Whitehall Street International“ von Goldman Sachs ist ein weiterer Fonds drastisch im Wert gesunken. Von vormals 1,8 Milliarden Dollar sind nach den letzten bekannten Berechnungen gerade noch 30 Millionen Dollar übrig. Das geht aus dem Jahresbericht 2009 hervor, den die Anteilseigner kürzlich zugeschickt bekommen haben. Eine Sprecherin von Goldman Sachs wollte sich am Freitag – nur wenige Tage vor der Bilanzvorlage der US-Investmentbank – nicht weiter dazu äußern.

Die Bank of America teilte unterdessen mit, sie sei nach zwei Verlustquartalen nun deutlich besser ins Jahr gestartet als erwartet. Der Gewinn betrug in den ersten drei Monaten wie im Vorjahreszeitraum 2,8 Milliarden Dollar. Bankchef Brian Moynihan gab sich am Freitag bei der Bilanzvorlage in Charlotte optimistisch: „Unser Ergebnis zeigt, dass sich die Wirtschaft allmählich erholt“, sagte Moynihan.

Wie der US-Finanzkonzern JP Morgan verdiente auch die Bank of America in den vergangenen Monaten am meisten mit ihrem starken Investmentbanking, das rund drei Milliarden Dollar abwarf. Der Handel mit Aktien, Anleihen und Währungen florierte im ersten Quartal und glich Verluste im Kreditgeschäft aus. JP Morgan hatte am Mittwoch den Reigen der Quartalsberichte von US-Banken eröffnet und mit einem Quartalsgewinn von 3,3 Milliarden Dollar gleichzeitig die Messlatte hoch gelegt. Kommende Woche präsentieren Citigroup, Goldman Sachs und Wells Fargo ihre Bilanzen.

Die Bank of America gehört zu den Verlierern der Finanzkrise. Sie hatte sich mit der spektakulären Milliardenübernahme der Investmentbank Merrill Lynch Anfang 2009 verhoben und musste vom Staat mit 45 Milliarden Dollar gestützt werden. Die Staatshilfen hat die US-Bank inzwischen zurückgegeben. Von Verlusten mit Immobilienfonds bei der Bank of America ist bislang nicht bekannt.

Goldman Sachs dagegen gehört zu den größten Investoren des Immobilienfonds „Whitehall Street International“. Zu den Objekten des Fonds zählen auch die Warenhäuser des insolventen Handelsunternehmens Karstadt. Dessen Zukunft ist immer noch ungewiss, was auf den Wert drückt. Zuletzt führten aber vor allem Immobilien in den USA und Japan zu Verlusten. Dort stehen wegen der Wirtschaftskrise viele Büros, Fabrikhallen und Läden leer. Erschwerend kommt hinzu, dass die Fondsmanager viele Immobilien auf Pump gekauft haben. Mitten in der Krise lastet so ein hoher Schuldenberg auf dem Fonds. Sobald die Immobilienmärkte wieder anziehen, ist zwar eine Erholung möglich. Doch ob und wann das geschieht, steht in den Sternen. Der gesamte Markt liegt darnieder.

Einem direkten Goldman-Sachs-Rivalen droht noch ein größerer Verlust: Der „Morgan Stanley Real Estate Fund VI“ könnte, wie bereits berichtet, von 8,8 Milliarden auf 3,4 Milliarden Dollar abrutschen. Einige Experten fürchten bereits, dass die nächste Welle der Finanzkrise droht. Nach Berechnungen des US-Kongresses schwebt fast jede Dritte der rund 8100 Banken des Landes in Gefahr, von platzenden Darlehen für Gewerbe-Immobilien betroffen zu werden.

Die Lage am US-Wohnungsmarkt hat sich dagegen im März aufgehellt. Die Zahl der Wohnbaubeginne stieg um 1,6 Prozent auf 626 000, teilte das Handelsministerium am Freitag in Washington mit. Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg auf 610 000 gerechnet. Für Februar wurde die Zahl der Wohnbaubeginne auf 616 000 von den ursprünglich gemeldeten 575 000 nach oben korrigiert.

Die Zahl der Baugenehmigungen für Eigenheime stieg im März um 7,5 Prozent; aufs Jahr hochgerechnet lag die Zahl der genehmigten Anträge mit 685 000 damit so hoch wie seit Oktober 2008 nicht mehr. Die Zahl ist ein Barometer für den zukünftigen Häuserbau und lag deutlich höher als von Volkswirten mit 630 000 erwartet. dpa

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