Wirtschaft : Marktführer Eon erhöht Strom- und Gaspreise Kundenverlust einkalkuliert / Immer mehr wechseln

Düsseldorf - Der Eon-Konzern geht mit der angekündigten Erhöhung seiner Strom- und Gaspreise ein Risiko ein: Durch den anziehenden Wettbewerb droht ein Verlust von Kunden an neue Wettbewerber. Vattenfall Europe hat im Sommer bereits entsprechende Erfahrungen gemacht, nachdem der Berliner Konzern die Preise zum 1. Juli im Schnitt um 6,5 Prozent erhöht hatte. Eon kündigte gestern an, dass die sieben Regionalversorger des Unternehmens zum Jahreswechsel ihre Tarife für Strom zwischen 7,1 und 9,9 Prozent erhöhen werden. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden erhöht sich die monatliche Rechnung damit um bis zu 5,80 Euro. Gleichzeitig steigen auch die Tarife für Gas zwischen 3,4 Prozent und 8,8 Prozent.

Eon macht gestiegene Beschaffungskosten geltend. Bei Strom müsse der Konzern die höheren Preise weitergeben, zu denen sich die Töchter bereits vor ein, zwei Jahren am Terminmarkt für 2008 eingedeckt hätten. Einzelne Versorger wie Eon Bayern hätten zudem ihre Tarife zwei Jahre lang konstant gehalten. Bei Gas schlage sich der steigende Ölpreis nieder, an den die Gastarife traditionell gekoppelt sind. Nach eigenen Angaben gibt Eon die höheren Kosten aber „nicht in vollem Umfang“ weiter – und verweist zur Begründung auf den gestiegenen Wettbewerbsdruck. Die Nummer vier auf dem deutschen Energiemarkt, Vattenfall Europe, hatte im Juli in ihren Versorgungsgebieten Hamburg und Berlin innerhalb weniger Wochen vier Prozentpunkte an Marktanteilen verloren.

Durch die entschlossene Arbeit der Bundesnetzagentur ist der Wettbewerb auf dem Energiemarkt in Schwung gekommen. Die Chancen für neue Anbieter, mit den angestammten Kommunalversorgern zu konkurrieren, haben sich deutlich verbessert. Gleichzeitig sind wegen der stetig steigenden Preise immer mehr Kunden zum Wechsel bereit. Die Bundesnetzagentur schätzt, dass in diesem Jahr rund 1,3 Millionen Stromkunden ihren Anbieter wechseln – doppelt so viele wie im vergangenen Jahr.

Das soll nach den Worten von Holger Krawinkel, Energieexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (VZBV), auch Eon spüren: „Die Kunden sollen selbst die richtige Antwort geben und zu einem billigeren Anbieter wechseln.“ Eon-Chef Wulf Bernotat, der vor wenigen Wochen Strom als zu billig bezeichnet hatte, habe jetzt „seinen Worten Taten folgen lassen“. Die von Eon angeführte Begründung kritisierte er scharf. An den hohen Großhandelspreisen sei Eon mit seiner Marktmacht in der Stromerzeugung ja selbst schuld.juf (HB)

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