Martin Blessing, Commerzbank : "Wir haben Fehler gemacht"

Commerzbank-Chef Blessing gibt sich vor 3500 Aktionären kleinlaut – die werfen ihm trotzdem Größenwahn vor.

Rolf Obertreis
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Angegriffen. Commerzbank-Chef Martin Blessing bei seiner Rede auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main. Foto: dpa

Frankfurt am Main - Mit zum Teil heftiger persönlicher Kritik haben Aktionäre Commerzbank-Chef Martin Blessing am Freitag auf der Hauptversammlung empfangen. Vor allem durch den von Blessing zu verantwortenden Kauf der Dresdner Bank habe sich die Commerzbank innerhalb eines Jahres von der Nummer zwei in Deutschland zu einem Sanierungsfall entwickelt, monierte Klaus Nieding, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Der Kauf der Dresdner Bank ist die Ursache für die Misere.“ Andere Aktionäre nannten den Bank-Chef einen „Kapitalvernichter ersten Grades“.

Vom Einstieg des Staates sind die Aktionäre der Commerzbank wenig angetan, aber sie halten den Schritt angesichts der schwierigen Lage offenbar für unverzichtbar. Blessing musste aber auf der Hauptversammlung am Freitag in Frankfurt auf Applaus verzichten, als er um den Einstieg des Staates warb. Die Beteiligung des Bundes mit 18,2 Milliarden Euro und 25 Prozent plus eine Aktie „halten wir für dringend erforderlich, um den nachhaltigen Erfolg abzusichern und die Commerzbank für alle Unwägbarkeiten wetterfest zu machen“.

Trotz der schwierigen Lage der Bank und des zur Abstimmung stehenden Staatseinstiegs war die Präsenz bei der Hauptversammlung mit 38,9 Prozent des Kapitals niedriger als im vergangenen Jahr. Während der Rede von Blessing gab es nur einmal hörbaren Applaus der rund 3500 Aktionäre, als Blessing eigene Fehler und Versäumnisse einräumte. „Viele in unserer Zunft haben das vernachlässigt, was unsere Kernkompetenz sein sollte: die sorgfältige Prüfung der Kreditwürdigkeit.“ Die Bank habe sich zu stark auf das Urteil Dritter verlassen. „Auch wir haben Fehler gemacht.“

Die sehen Aktionäre vor allem in der Übernahme der Dresdner Bank. Sie sprachen von einem „katastrophalen Jahr“ für die Bank. Die Übernahme der Dresdner Bank sei einer der größten Fehler in der Geschichte der Commerzbank gewesen, hielt Nieding dem Vorstandschef vor. Durch den Kauf habe sich die Commerzbank „bilanzielle Neutronenbomben“ in die Bücher geholt. Nieding befürchtet, dass die Übernahme am Ende doch nur in Massenentlassungen mündet und die Aktionäre noch jahrelang draufzahlen. Andere Aktionäre warfen Blessing Größenwahn und Blindheit vor. Offenbar seien die Bücher der Dresdner Bank nicht genau genug geprüft worden. Die DSW und andere Aktionäre verlangten, die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu vertagen. Davor soll eine Sonderprüfung genaue Einblicke in die Umstände zur Übernahme der Dresdner Bank geben.

Allerdings stellten sich andere Aktionäre ausdrücklich hinter den Vorstand. Die Commerzbank habe noch jede Krise gemeistert. Zusammen mit der Dresdner Bank sei die Basis für ein solides Bankgeschäft geschaffen worden, sagte Wolfgang Aleff von der Gesellschaft für Wertpapierinteressenten. Spätestens ab 2012 werde das Institut wieder Geld verdienen. Und dann werde auch der Steuerzahler profitieren. Der Kauf der Dresdner Bank sei „unter langfristigen Gesichtspunkten wahrscheinlich richtig“, sagte auch Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK.

Vorstandschef Blessing wies die Vorwürfe zum Kauf der Dresdner Bank zurück. Strategisch sei die Übernahme nach wie vor richtig. Schon 2009 würden sich die Kostenersparnisse auf 200 Millionen Euro belaufen, 2010 auf 800 Millionen. Weitere Staatshilfe brauche die Bank nicht.

Blessing warb eindringlich um Zustimmung für den Einstieg des Bundes mit rund 18,2 Milliarden Euro, womit der Bund bei einem Anteil von 25 Prozent plus einer Aktie zum größten Anteilseigner würde. Ex-Bundesbank-Vorstandsmitglied Edgar Meister soll künftig im Aufsichtsrat die Interessen des Bundes wahrnehmen. Das Institut bleibe aber eine Privatbank, sagte Blessing. Ab 2012 – dann sollen wieder schwarze Zahlen geschrieben werden – wolle man das Steuergeld sukzessive zurückzahlen.

Angsichts der langen Rednerliste aufgebrachter Aktionäre verlegte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller die Abstimmung über den Einstieg des Staates auf den heutigen Samstag. Die Zustimmung galt aber als sicher, da wegen der niedrigen Präsenz von knapp 36 Prozent schon allein die Großaktionäre Allianz (19 Prozent) und Generali (sechs Prozent) auf etwa zwei Drittel kommen.

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