Wirtschaft : Martin Ebner: Steuerjongleur, Wanderprediger und Rattenfänger

IRMGARD LOCHER

Immer wieder gibt es die wildesten Gerüchte um die schillerndste Figur der Schweizer Bankenszene / Jetzt soll der Banker angeblich ein Auge auf die Deutsche Bank geworfen habenVON IRMGARD LOCHER ZÜRICH.Kein Schweizer ist wohl seit Ende vergangenen Jahres derart lautstark öffentlich kritisiert worden wie er - der Zürcher Bankier Martin Ebner.Ebner gilt als einer der schillernsten Figuren in der Schweizer Bankenszene - und darüber hinaus.Zu seinem Einflußbereich zählen nicht nur nennenswerte Beteiligungen an Schweizer Banken, auch über die Grenzen hinaus ist der Mann kapitalmäßig kräftig engagiert.Seinen Einflußbereich baut er kontinuierlich aus.Kein Wunder, daß immer wieder die wildesten Gerüchte aufkommen.Die jüngste Spekulation: Interessieren Ebner auch die Geschäftsbanken aus der deutschen Top-Liga? Lockt ihn gar die Deutsche Bank? Wer ist dieser Mann, dem man so vieles zutraut? Ebner ist einer, den alles - so auch die jüngste Kritik in der Öffentlichkeit - kalt läßt.Seine Schäfchen hat er ins Trockene gebracht - völlig legal.So muß er durch einen geschickten Schachzug für seinen letzten Rekordgewinn von schätzungsweise 200 Mill.Franken keinen Rappen Steuern zahlen."Ich handle rational", erklärte Martin Ebner mit Unschuldsmiene, als er sich entschloß, seine Bank von Zürich nach Freienbach ins Steuerparadies des Kantons Schwyz zu verlegen.Dort muß er nur halb soviel Steuern zahlen wie bislang in Zürich.Und nicht nur das.Weil er noch kurz vor Jahresende Hals über Kopf nach Freienbach übersiedelte und nicht erst, wie geplant, in diesem Jahr, muß er den Gewinn des Jahres 1997 nicht versteuern, weder im Kanton Schwyz noch im Kanton Zürich.Das hinderte den Mann aber nicht, auch noch weitere Steuererleichterungen, wie es für Neuansiedlungen üblich ist, zu beantragen.Neuansiedlungen freilich sind meist mit der Schaffung von neuen Stellen verbunden.Davon ist bisher allerdings in dem Fall nicht die Rede.Martin Ebner braucht nicht mehr als 50 Mitarbeiter, um sein Milliarden-Unternehmen in Schwung zu halten. Kein Wunder, daß den braven Steuerzahlern der Kragen platzte, die meisten Schweizer das Manöver des Bankers kritisiert haben.Seine unfeine Methode, dem Staat die Steuern vorzuenthalten, brachte auch den freisinnigen Nationalrat Claude Frey aus dem bürgerlichen Lager in Rage.Die Freisinnige Partei heulte auf: "So nicht, Herr Ebner!" Er habe zwar legal gehandelt, aber in höchstem Maße unsolidarisch und verwerflich. Vor 15 Jahren kannte kaum einer den Namen Martin Ebner, der inzwischen zum Schreckgespenst der Schweizer Bankenszene geworden ist.Ebner wuchs in Wilen im Kanton Schwyz auf, das zur Gemeinde Freienbach gehört.Dort behielt er seinen Wohnsitz zusammen mit seiner Frau Rosmarie; Kinder hat das Ehepaar nicht.Der ehrgeizige junge Mann aus der Provinz verdiente sich seine Sporen bei der Zürcher Privatbank Vontobel - einem bekannten Zürcher Familienunternehmen.Als er dort jedoch seinen Aufstiegswillen allzu deutlich bekundete, mußte Ebner gehen. 1985 gründete der damals 39jährige Ebner die Bank Zürich, die BZ, mit der er sich speziell auf Großkunden ausrichtete.Schon bald hatte der Newcomer einen veritablen Goldfisch an der Angel, nämlich den Rechtsaußen-Nationalrat Christoph Blocher, Chef der Ems-Chemie.Ebner etablierte sich als Blochers Hausbankier und setzte ihn als Verwaltungsratspräsidenten der neugegründeten, sogenannten Pharma-Vision ein, eine von Ebners vier "Teilbanken", die sich samt und sonders auf hochkarätige Aktienanlagen spezialisiert haben.Christoph Blocher, der an der Börse heute täglich 2,6 Mill.Franken verdienen soll, gab die Leitung der Pharma-Vision erst kürzlich ab.Das geschah vor zwei Monaten nach der Ankündigung der Fusion von Bankgesellschaft und Bankverein - angeblich in bestem Einvernehmen mit Martin Ebner. Der Zusammenschluß der beiden Schweizer Bankriesen zur weltweiten Nummer Zwei war übrigens einer der wichtigsten Erfolge Ebners, der als Großaktionär die Bankgesellschaft (UBS) dazu gedrängt hatte.Mitdem Zusammenschluß der beiden Großbanken beendete Ebner auch den jahrelangen Streit mit dem Präsidenten der UBS; der ist inzwischen zurückgetreten, und sein Nachfolger Mathis Cabiallavetta ist des Lobes voll für Ebner.Ein halbes Jahr zuvor war es dem Zürcher Banker Martin Ebner außerdem gelungen, die Winterthur-Versicherung mit der Crédit Suisse, der ehemaligen Schweizerischen Kreditanstalt, zu verbinden."Wir haben Visionen über die künftigen Strukturen des Schweizer Finanzplatzes entwickelt", verkündete Ebners engster Mitarbeiter, "und jetzt erfüllen sie sich weitgehend." Und was ist der nächst Coup? Für Überraschungen ist Ebner immer gut. Wie reich Ebner heute ist, weiß niemand zu sagen.Allerdings soll er hauptsächlich nicht einmal an den steigenden Börsenkursen verdienen, sondern vielmehr an den happigen Honoraren, die er mit seiner Vermögensverwaltung kassiert.Seit Oktober vorigen Jahres nimmt er sich mit Erfolg der Kleinaktionäre an, die er als Kundschaft entdeckt hat.Als Wanderprediger - andere nennen ihn Rattenfänger - zieht er von einem Ort zum anderen und verkündet dem Mann von der Straße, wie er reich werden kann: "Wenn Sie heute 54 117 Franken anlegen, dann haben Sie in 20 Jahren Ihre erste Milion", verspricht er der gespannten Zuhörerschaft.

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