Wirtschaft : Maschinenbau Autobranche Handel Chemie und Pharma Technologie Telekommunikation

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Für den Maschinenbau war das Jahr 2002 ernüchternd. „Wir sind enttäuscht“, sagt Diether Klingelnberg, Präsident des Branchenverbandes VDMA. 2003 dürfte ebenfalls kaum berauschend werden. „Das Inlandsgeschäft wird keine nennenswerten Besserungen bringen“, glaubt Klingelnberg. Stattdessen muss es der Export richten – in Asien sind deutsche Maschinen nach wie vor stark gefragt. Längst erzielt der Maschinenbau mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Die Produktion wird 2003 zumindest stagnieren. „Vielleicht ist auch ein kleines Plus drin“, sagt der VDMAPräsident. Mit einer durchgreifenden Erholung rechnen Beobachter erst 2004. Schuld daran ist die schwache Nachfrage im Inland – eine Folge der Investitionszurückhaltung. Auf dem Weltmarkt kommen die deutschen Maschinenbauer voran, mit einem Anteil von 20 Prozent stehen sie ganz oben. „Wir sind technologisch führend“, findet der VDMA-Präsident. Die Abschwächung der Konjunktur in den USA beunruhigt ihn dagegen nicht. Auch der wieder erstarkte Euro werde dem Maschinenbau keine Schwierigkeiten bereiten. „Erst bei einem Kurs über 1,10 Dollar wird das ein Problem“, sagt der VDMA-Chef. ro

Eigentlich müssten die Deutschen die Autohäuser stürmen, denn das durchschnittliche Alter eines Pkw liegt inzwischen bei 7,5 Jahren. Dieser Wert war seit Mitte der 80er Jahre nicht mehr so hoch. Trotzdem wird hier zu Lande beim Kauf eines neuen Automobils gezaudert, aller Voraussicht nach wird 2003 das vierte Jahr in Folge der Absatz sinken. In den ersten neun Monaten 2002 wurden in Deutschland drei Millionen Pkw neu zugelassen, das waren drei Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Und zuletzt, also im November, sank der Absatz sogar um sechs Prozent. Für 2003 erwarten Branchenkenner einen Absatz von 3,2 Millionen Autos, bevor 2004 die Schwächephase vorbei ist und 3,4 Millionen Pkw erwartet werden. Bis dahin werden die Autohersteller die schwache Inlandsnachfrage wie bislang auch auf den Auslandsmärkten kompensieren, wenngleich 2003 vor allem für die so genannten Volumenhersteller schwierig wird: VW, Opel und Ford müssen mit Verkaufsanreizen arbeiten, um den Absatz einigermaßen stabil zu halten. Und die Erhöhung der Dienstwagensteuer wird Mercedes, BMW und Audi zu schaffen machen. alf

Der Einzelhandel geht nach seinem wohl schlechtesten Jahr der Nachkriegszeit nicht gerade optimistisch ins neue Jahr. Nach einem Umsatzrückgang von 2,5 Prozent im laufenden Jahr erwartet der Branchenverband HDE für 2003 ein Minus von 0,5 Prozent. Positive Impulse erhofft sich die Branche von den längeren Ladenöffnungszeiten. Wahrscheinlich ab April 2003 dürfen die Geschäfte auch an Samstagen bis 20 Uhr öffnen. Bisher ist, außer in der Vorweihnachtszeit, um 16 Uhr Schluss. Eine gute Nachricht für den Handel ist auch die Neuregelung bei den Minijobs. Da im Einzelhandel traditionell sehr viele Teilzeitbeschäftigte arbeiten, wird der Einzelhandel sehr rege von der Neuregelung Gebrauch machen. Der Vorteil: Die Händler können in Zukunft flexibler ihren Personaleinsatz planen, und das Einkommen der Minijobber könnte zu großen Teilen in den Konsum fließen. Die Neuregelungen werden nach Ansicht des HDE aber nicht ausreichen, um die schlechte Konsumlaune der Verbraucher nachhaltig aufzuhellen. Weil die Regierung viele Steuer- und Abgabenerhöhungen beschlossen hat, werden die Konsumenten 2003 deutlich weniger Geld in der Tasche haben. msh

Gespannt verfolgt die Chemiebranche die Entwicklung im Irak: Sollte es zu einem Krieg kommen, droht der Grundstoff Öl deutlich teurer zu werden. Außerdem befürchtet die Branche dann einen noch stärkeren Margendruck und ein deutlich verringertes Wirtschaftswachstum. Wegen der Kriegsgefahr hält sich auch der Optimismus für 2003 in Grenzen. Die Branche geht bestenfalls von einem Wachstum von zwei Prozent aus. Das wäre etwas weniger als in diesem Jahr.

Solide zugelegt haben in diesem Jahr dagegen die weitgehend konjunkturunabhängigen Sparten: Die Produktion von Pharmazeutika stieg um fünf Prozent, die von Agrar-Chemikalien um vier Prozent. Trotzdem schimpfen die Pharmaunternehmen über die Gesundheitspolitik der Regierung. Die Ministerin zwingt die Hersteller, künftig höhere Rabatte auf Medikamente zu geben und droht zudem mit einer Positivliste, die die effizienten von den weniger effizienten Arzneimitteln trennen soll. Die Krankenkassen würden künftig nur noch die Preise für die nützlichen Pillen und Salben erstatten. Die Pharmaunternehmen befürchten Einbußen, drohen mit Arbeitsplatzabbau in Deutschland und der Verlagerung von Forschungs- und Entwicklungskapazitäten ins Ausland. pet

Think positive! – Denkt positiv!“, munterte Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina Ende November die Besucher der US-Computermesse Comdex auf. Fiorinas Appell könnte das Motto für das Technologiejahr 2003 werden. Hard- und Softwarehersteller, die Chipkonzerne und Elektronikfirmen üben sich in Optimismus, freilich mit der gebotenen Vorsicht. Nach mehr als zwei Jahren Krise erwartet die Hightechbranche laut Microsoft-Chef Bill Gates einen „Innovations-Aufschwung“. Frühindikatoren für die Trendwende lassen sich in der Halbleiter-Branche finden, die die intelligenten „Hirne“ für die Computer- und Handyindustrie liefert. Intel, AMD, Infineon und Texas Instruments haben nach deutlich gestiegenen Auftragseingängen ihre Prognosen für 2003 angehoben. Die überraschend guten Verkaufszahlen der Mobilfunkbranche sind zur Konjunkturstütze für die Chipbauer geworden. Doch auch die Computerbranche ist wieder optimistischer. Verbesserte Gewinne sorgen dafür, dass die Unternehmen wieder mehr in ihre Soft- und Hardware investieren. Europäische Firmen wollen nach Umfragen der US-Marktforscher Gartner 2003 gleich viel oder mehr Geld für Informationstechnologie ausgeben als 2001 und 2002. 2002 wurden weltweit 136,2 Millionen PCs verkauft, 2003 sollen es 8,3 Prozent und im Jahr darauf elf Prozent mehr sein. mot

Die Aktienkurse sind am Boden, die Schuldenberge hoch wie nie – und doch schaut die Telekommunikationsbranche verhalten optimistisch ins kommende Jahr. Mehr ist allerdings nicht drin. Denn die Branche hat 2002 das schwierigste Jahr ihrer Geschichte hinter sich gebracht, und die Probleme sind noch lange nicht überwunden. Nach einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom rechnen 54 Prozent der Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationsbranche 2003 mit steigenden Umsätzen. Immerhin 17 Prozent erwarten dagegen, dass ihre Umsätze zurückgehen werden. Wachstum um jeden Preis, das war die Devise im Boomjahr 2000. Jetzt ist Sparen angesagt. Das trifft für Telekommunikationsdienstleister wie etwa die Deutsche Telekom ebenso zu wie für die Anbieter von Infrastruktur. Weil die großen Konzerne ihre Investitionen zusammenstreichen, müssen die Hersteller mit weniger Aufträgen rechnen. Im Jahr 2003 wird in Deutschland nach vielen Pannen und Problemen nun endlich die neue Mobilfunktechnik UMTS eingeführt. Doch nennenswerte Umsätze erwarten die Netzbetreiber von der neuen Technik noch nicht. Das Klima hellt sich allmählich auf, meint der Bitkom, eine echte Erholung gebe es aber erst 2004. vis

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